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Hatte ich nicht am Anfang gesagt, ich würde den Regen vermissen? Den sogenannten „Monsun“? Nur ein paar Schauer hier und da, nichts Ernstes. Jaja. Vier Tage lang hats geregnet. Sonntagabend war es sogar schwierig, mit der Riksha nach dem Kino nach Hause zu kommen. Die Straßen waren überflutet, und das klapprige Gefährt ist zweimal stehengeblieben wegen Wasser im Motor. Und das quasi mitten in der Nacht. Zu allem Überfluss gab es eine Bombenwarnung; in anderen indischen Städten waren schon Bomben hochgegangen, es gab einige Tote, und eine anonyme Email warnte vor einem Anschlag auf Mumbai. Als ich so in der Riksha saß und die Wellen beobachtete, die romantisch gegen die Autos klatschten, bekam ich es mit der Angst zu tun. Es kam kaum einer vorwärts, die Straßen waren voll mit Autos und vor allem Wasser. Gullis sprudelten über. Und der Regen hörte nicht auf. Ich war froh, als ich eine gefühlte Ewigkeit später beim Apartment ankam. Dort war seltsamerweise nichts überflutet, naja, es gibt genug Löcher im Boden dort, durch die das Wasser sickern kann.
Richtig interessant wurde es erst am Montag, als wir mittags versuchten, irgendwo ein Restaurant zu finden. Zu Fuß. Es regnete wieder in Strömen. Meine Regenjacke nutzte nicht mehr viel. Es dauerte nicht lange, da war meine schwarze Anzughose durchnässt. Kein Wunder, ich watete durchs knietiefe Wasser. Ich war froh, dass ich Sandalen und keine Gummistiefel anhatte. Irgendwie machte uns das ungewollte Bad Spaß, aber irgendwann war ich auch ziemlich erschöpft. Meine nassen Füße rutschten in den Sandalen hin und her, besonders aber nach vorne, so dass meine kleinen Zehen ziemlich gestaucht wurden. Ich hinkte den anderen hinterher. Eigentlich wollten wir eine Riksha herbeirufen, aber keiner hielt an. Irgendwann fanden wir ein feines Fischrestaurant. Völlig durchnässt, wie wir waren, setzten wir uns an den Tisch. Der Kellner verzog keine Miene. Unter dem Tisch bildete sich ein Teich, die stoffbespannten Stühle wurden dunkel vor Nässe. Ein Mann wischte die Tropfen auf, die wir hinterlassen hatten, als wir zum Tisch gegangen waren, ebenfalls scheinbar völlig ungerührt. Wir froren schrecklich, weil die Klimaanlage an war. Ein Kellner kam mit einem Teller mit Fischen, die ich noch nie im Leben gesehen hatte. Hering würde man hier also nicht bekommen. Ein anderer Kellner zeigte uns eine Krabbe, die lebendig an einer Schnur hing und mit den Scheren klapperte. Sie war echt. Ich hasste das Geräusch, dass sie von sich gab. Ich drehte mich schnell wieder zum Tisch um. Wir bestellten Reis mit Shrimps und Tigerprawns in Sauce. Das Essen war toll, allerdings kam ständig ein Kellner, um uns noch etwas Reis auf den Teller zu schaufeln, eine Flasche Wasser wie einen alten Wein zu präsentieren oder uns nachzuschenken. Wir drei fanden das ziemlich nervig. Und etwas wehmütig dachte ich daran, dass ich gleich schon wieder durchs Wasser laufen musste. Der Regen hörte immer noch nicht auf, und keine Riksha ließ sich blicken. Also liefen wir wieder zu Fuß los, wir würden zu spät zum Training kommen. Zum Glück hatten wir eine Ausrede.

14. Tag, Monsun

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Heute ist Samstag. Eigentlich wollte ich heute meinem Guru im Büro helfen, die nächste Woche vorzubereiten. Aber ich habe zwischendurch den Wecker ausgestellt, ich war noch zu müde von gestern.
Der Monsun hat mittlerweile Mumbai erreicht. Die Inder sind happy, ich bin weniger glücklich. Der Regen ist wirklich heftig. Gestern haben wir eine halbe Stunde im strömenden Regen auf eine Riksha gewartet. Keiner wollte zu der Straße fahren, an der unser Apartment liegt, wegen der tiefen Löcher in der Straßendecke. Die Regenjacke brachte nicht viel, ich befürchtete eine Erkältung. Wasser tropfte von meiner Nase. Meinem Kollegen ging es nicht besser, er hatte nicht einmal eine Kapuze. Ein Passant hatte Mitleid mit uns. Er unterhielt sich mit meinem Kollegen und fragte, was das Problem sei. Er versuchte einen Rikshafahrer (der mit nackten Füßen durch die Pfützen lief) dazu zu überreden uns mitzunehmen, natürlich auf Hindi. Keine Chance. Seltsamerweise war ich nicht verzweifelt. Vielleicht ein bisschen bedrückt, aber viel mehr machte mir die Situation nicht aus. Schließlich rannte der nette Mann zur nächsten Riksha, hielt sie an und sprach mit dem Fahrer. Dieser nahm uns dann mit. In Deutschland wäre sicher jeder auf sich selbst gestellt. Ich war dem wildfremden Mann mit dem schwarzen Regenschirm sehr dankbar. Dem Rikshafahrer gaben wir sogar ein bisschen Trinkgeld (was nicht üblich ist). Schlagartig besserte sich meine Laune, als ich vor dem Apartment stand, um meinem Kollegen bei seiner wohlverdienten trockenen Zigarette Gesellschaft zu leisten.

Nach einem Klamottenwechsel trafen wir uns, um mit Dipa (oder so ähnlich, jedenfalls dem Mann von der Rezeption) zu kochen. Er wollte uns zeigen, wie man Frühlingsrollen macht. Ich dachte mir schon, dass das sehr interessant werden würde. Er brachte einen Wok mit und verschiedene Pülverchen und Hähnchenfleisch, und natürlich Gemüse. Ich vermutete schon, dass er auch den Teig selbst machen würde. Doch zuerst kümmerte er sich um das Hähnchenfleisch. Er sagte, er würde das Hähnchen separat machen, da es Knochen hat. Ja, so sah es auch aus. Nicht gerade appetitlich, als hätte man ein ganzes Hähnchen genommen und in kleine Teile zerhackt, vielleicht sogar inklusive Innereien. Unwillkürlich dachte ich an alte Frauen in Afrika, die sowas sicher gerne zubereiten würden. Ich war jedenfalls gespannt. Er briet Zwiebeln und Tomaten an, und schüttete ein gelbes Pulver dazu, dessen Namen ich vorher nie gehört hatte. Es war jedenfalls nicht Kurkuma. Später kam ein Masala dazu, ein Pulver (aus Chili und anderen Gewürzen), das mit Wasser zu einem Brei verrührt wird. Es war eine dunkelbraune Masse. Zusammen mit dem Gemüse sah das sehr seltsam aus, vielleicht sogar ein bisschen wie Babybrei. Und dann kam das gewaschene Fleisch dazu, mit Knochen und allem, und wurde mit dem Brei verrührt. Ich dachte seltsamerweise an den Song von den Ärzten, „Dinge von denen“, indem es heißt: „Künstlicher Darmausgang, na schönen Dank, mein Hunger war passé“. Dipa eröffnete mir, dass er das extra für mich kochen würde, weil ich Hähnchen mag. Aha. Na klasse. Hätte ich bloß meine Klappe gehalten! Ich grinste schüchtern. Irgendwann kam ich dann in die Situation, probieren zu müssen. Naja, dachte ich, es würde mich nicht umbringen. Mutig nahm ich eins der Hähnchenschenkelchen und knabberte daran. Es schmeckte hervorragend. Ich musste zwar aufpassen, nicht auf Knochenstückchen zu beißen, aber man kann ja nicht alles haben. Dipa dachte, ich würde das Essen wegwerfen, als ich die Knochen wegschmiss, aber ich beruhigte ihn, dass es mir wirklich gut schmeckt und dass das nur Knochen seien, die im Abfall landeten. Ich fragte ihn nach dem Namen des Gerichts. „Chicken Masala“, sagte er. Das hätte ich mir auch selbst denken können, Inder sind in Sachen Namengeben für Gerichte sehr einfach gestrickt. Chicken Masala heißt nichts anderes als Hähnchen in Soße. Es schmeckte scharf, aber sehr gut. Ich mochte es.
Wir baten Dipa, uns auch zu zeigen, wie er Frühlingsrollen macht. Der Anfang sah genauso aus wie zu Hause, Gemüse schnippeln und anbraten, und ein bisschen würzen. Beim Rest musste ich allerdings passen. Mehl und ein anderes schneeweißes Pulver wurden mit Eiern verrührt. Das sollte also der Teig sein. Er ölte den Wok und ließ einen Teil des Teiges hineinlaufen und verteilte ihn darin gleichmäßig. Dann kam der Wok wieder auf die Flamme. So macht man also den Teig! Er löste sich mehr oder weniger leicht aus der Pfanne, so dass runde Teigplatten entstanden. Dipa sah unsere Begeisterung und grinste. Der Rest ging wie immer, Gemüse rein, zuklappen und in der Pfanne zu Ende braten.
Allerdings mochte ich den Teig nicht, ich glaube er war etwas versalzen. Es schmeckte, als hätte ich ein Centstück im Mund. Ich nahm mir mehr von dem Hähnchen, damit ich später sagen konnte, ich wäre zu voll, um die Frühlingsrolle zu Ende zu essen. Ich wollte ihn nicht beleidigen. Er fragte später ob wir Reis mögen, und als wir bejahten, verkündete er, dass er nächste Woche gerne Reis für uns kochen würde. Ich bin schon sehr gespannt darauf.

Später stiegen wir, wie letzte Woche, aufs Dach. Ich zog mir meine Gummistiefel an, denn oben stand alles unter Wasser. Im leichten Regen, er hatte endlich nachgelassen, mit den Füßen im Wasser, standen wir oben und tranken Budweiser Bier. Wir sprachen über Gott und die Welt, über Religionen, Freundinnen, Discos und über Eltern, die einem in Deutschland Freiheit lassen, in Indien aber nicht. Verträumt schauten wir über die Stadt und sinnierten darüber, was wir erwartet haben, bevor wir nach Indien kamen. Mein Kollege wollte seine Persönlichkeit ändern, ich wollte Indien sehen und erwachsen werden. Dipa hörte sich das alles an und nickte. Er könnte sich das gut vorstellen. Mein Kollege sagte, gerade in meinem Alter, zwischen 24 und 25, würde es einen Einschnitt im Leben geben, der uns den Rest des Lebens begleiten würde. Irgendwie glaubte ich ihm. Aber was passiert mit einer Frau, die in dieser Zeit in Indien ist, für ein paar Monate? Vielleicht werde ich eine ganz besondere Persönlichkeit.
Nachdenklich nippte ich an meiner Flasche. Dipa bat mich, ein deutsches Lied zu singen. Mir fiel nichts ein außer Hänschen Klein, aber er wollte ein Liebeslied. Ich war ziemlich beruhigt, wenn ich keins kenne, muss ich auch keins singen. Der Regen hatte aufgehört und der „Swimmingpool“, eine große Pfütze auf dem Dach, schwand. Ein schwacher Wind wehte. In Mumbai wurde es still.

8. Tag – Colaba

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Für den Sonntag haben wir uns einen Fahrer kommen lassen, von der Firma, jener, welcher uns während der Woche immer zur Arbeit gebracht hat. Er sollte mit uns eine Rundreise durch Colaba machen. Colaba ist der Stadtteil, in dem sich das berühmte „Gate of India“ befindet. Etwa eine Stunde brauchten wir dorthin. Je weiter wir kamen, desto besser wurden die Straßen, und wir kamen sogar an Ampeln vorbei, die von den Leuten beachtet wurden. Allein die Fahrt war ein Erlebnis. Hochhäuser neben niedrigen Häuschen mit eingeschlagenen Fensterscheiben, bei denen man sich fragte, ob doch noch jemand dort wohnt. Irgendwann kamen wir an der Küste vorbei. Das arabische Meer! Mitten in einer Bucht war ein großer Tempel. Vielleicht würden wir den auch bald besuchen.

Tauben

Aber erst einmal ging es zum Gate of India, ein großer Prachtbau direkt am Meer, leider gerade inmitten einer Baustelle. Auf einem großen Platz vor dem Gate lagen (wohl mit Absicht) Körner verstreut, um die Tauben für die Touristen anzulocken. Wir sahen auch die Boote, die zu den Elephanta Caves fahren – wir würden aber ein andermal mitfahren.

Gate of India

Danach sahen wir uns einen kleinen Bazar an, aber das war wie ein Spießrutenlauf. Ständig hörte man von allen Seiten: „Look here! Good stuff!“ Einmal fasste mich eine dürre Frau an, mit einem Baby auf dem Arm, und redete mit mir, sie wollte offensichtlich Geld haben. Ich bekam es fast mit der Angst zu tun. In einem Laden sah ich schöne Schals, für umgerechnet 1,50 Euro, angeblich Seide. Aber ich würde mit dem Ladenleerkaufen noch etwas warten.

Nächste Station war die Bucht, mit einem schönen Blick auf die Stadt. Ich wunderte mich, dass das Meer nicht nach Salz roch. Es roch fast gar nicht. Oder waren meine Sinne nur abgestumpft? Ein Mann hatte einen kleinen Affen an der Leine. Das Tier zerrte mit den dürren Fingern an der Leine und schaute den Mann bittend an. Das Äffchen tat mir Leid. Der Mann fragte uns, ob wir gerne den Affen tanzen sehen würden. Ich hielt den Mann für einen Touristenfänger, der uns dann gerne sehr viel Geld abnehmen würde, und ich glaubte nicht, dass der Affe freiwillig tanzen würde, also lehnten wir ab. Ich hätte das Tier lieber in den Bäumen herumhüpfen sehen.

Der alte Mann und das Meer - Shaam weiß warum!

Es wurde mir mittlerweile zu heiß und mir wurde schwindelig, so dass ich den Garten auf der anderen Seite der Bucht nicht richtig genießen konnte. Ein Garten, offensichtlich errichtet von den englischen Kolonialherren, sehr gepflegt, teilweise mit atemberaubenden Ausblick auf die Bucht. Auf jeden Fall eine Reise wert, wenn man mit der Hitze klarkommt!

Blick über die Bucht

Wir ließen den Tag an einem „cool place“ ausklingen – das ist jedenfalls, was ich dem Fahrer sagte, wo ich hinmöchte. Es war eine Shoppingmall! Dort genehmigte ich mir eine Pizza, vegetarisch. Mir hat noch keine Pizza so gut geschmeckt. So langsam wurde das indische Essen gewöhnlich. Allerdings muss man in Shoppingmalls aufpassen, wenn man auf die Toilette muss – Thema Klopapier. Das gibts da nämlich manchmal nicht.

Vielleicht werde ich später interessantere Bilder adden, die mein Kollege geschossen hat. Er fotografiert besser als ich 😉

7. Tag

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Die erste Woche ist herum. Von Montag bis Freitag sitzen wir eigentlich den ganzen Tag im Büro, und erst jetzt am Wochenende können wir ein wenig die Gegend erkunden. Naja, zumindest solange, wie es mein Bauch zulässt. Wie erwartet, habe ich Durchfall, und Imodium akut hilft nicht oder nur bedingt (bis zum nächsten Essen). Ich esse nur wenig, manchmal lasse ich auch Mahlzeiten ausfallen. Ich habe lieber Hunger als Durchfall. Gut geht es mir nicht. Die Hitze macht mir zu schaffen, und die Luft auch. Ich will nicht jammern, aber es ist einfach so… Eine „richtige“ Diät mit Zwieback kann ich nicht machen, ich wüsste nicht woher ich Zwieback nehmen sollte. Ich trinke Cola, obwohl ich nicht glaube, dass das in irgendeiner Weise hilft. Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass es mir bald wieder besser geht. Ich habe nun mal einen empfindlichen Magen, was die Mahlzeiten in Mumbai nicht gerade versüßt.
Gestern war ich mit meinem Kollegen und einem Mann von der Rezeption (ich weiß nicht wie er heißt) auf dem Dach des Hotels, ein Bierchen trinken. Von irgendwoher hatten wir Carlsberg aufgetrieben. Das Zeugs kann man wie Wasser trinken, irgendwie war da kaum Alkohol drin. Bis spät in die Nacht waren wir dort, um zu quatschen. Über Mumbai, über Deutschland und über Gott und die Welt. Ich glaube, wir waren auf einer Wellenlänge. Über Mumbai fliegen eine Menge Fledermäuse, ziemlich große Viecher. Zum Vollmond gestern kamen wir uns vor wie in Transsylvanien. Naja, ich jedenfalls. Es fing kurz an zu regnen, aber wir merkten es kaum. Ich war fast ein wenig enttäuscht. Unter Monsun hatte ich mir etwas anderes vorgestellt. „Rain will come!“ sagte der Mann optimistisch. In der Zeitung machen sie sich etwas Sorgen, weil es ungewöhnlich trocken ist für die Jahreszeit. In Deutschland mögen wir keinen Regen, weil es genug davon gibt. In Indien ist es anders, weil es nur in ein paar Monaten des Jahres regnet, nämlich während des Monsuns. Die Leute freuen sich über Regen. Ich würde gerne etwas von dieser Freude mit nach Hause nehmen.
Heute sind wir das erste Mal mit der Riksha gefahren. Ein Security-Officer vom Hotel hielt sie extra für uns an und sagte dem Fahrer, wo er hin soll. Ist vielleicht auch besser so, manche Rikshafahrer können kein Englisch. Das Ding ist erstaunlich geräumig innen, man muss sich nicht zu zweit nebeneinander quetschen sondern hat genug Platz. Ich kann jedem Indienreisenden nur empfehlen, einmal Riksha zu fahren. Es ist zwar recht abenteuerlich, man kann sich kaum unterhalten und das Ding kippelt schon mal gern, aber irgendwann kommt man schon ans Ziel. Wir wurden auch nicht mit dem Preis veräppelt. Was mich erstaunte war, dass der Fahrer das Geld nahm, küsste, an die Stirn hielt und offensichtlich betete. Vielleicht ein weiterer Aberglaube.
Wir sind zum SEEPZ, dem von der Außenwelt abgeschnittenen indischen Silicon Valley, gefahren. Dort, wo unsere Firma ihren Sitz hat. Nur mit einem Ausweis kommt man hinein. Wir beschlossen, in der Firma vorbeizuschauen, um Emails zu lesen. Dort trafen wir Seema, unseren „Guru“. Sie soll uns die Technologie beibringen, und sie hat uns in der ersten Woche immer geholfen, wenn wir Probleme mit irgendwas hatten, und ging jeden Tag mit uns Mittag essen (mit Ashish und Ashwani, zwei weiteren Kollegen). Sie lud uns ein, in die Stadt zu fahren, um mit ihr einen Film im Kino anzusehen. Wir freuten uns über die Einladung. Vor dem Eingang zum SEEPZ wartete ihr bester Freund, dessen Name ich schon wieder vergessen habe, der aber auch für die gleiche Firma arbeitet. Wir teilten uns auf zwei Riskhas auf und fuhren zu einem Einkaufszentrum. Ich fuhr mit Seema. Was ich ungewöhnlich fand war ihre Frage nach meinem Schmuck. Ich bin noch nie gefragt worden, wo ich meinen Schmuck her hätte, aber ich erzählte es ihr gerne. Sie fragte mich auch nach meiner Familie, wie jedes einzelne Familienmitglied heißt. Es muss also wirklich stimmen, dass die Familie über allem steht in Indien. In Deutschland hätte ich solche Fragen als unangenehm empfunden und hätte darüber nachgedacht, zu welchem Zweck er/sie fragt. Vielleicht habe ich mich doch schon ein bisschen angepasst. Ich denke nicht so sehr darüber nach und freue mich nur, dass die Leute gerne mit mir reden. Mitten in Mumbai standen wir im Stau. Nichts ging mehr. Die Luft war grau von den Abgasen, zwischen den Autos liefen Menschen hin und her. Ich war fasziniert. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen wir dann beim Shoppingzentrum an. Wie an einem Flughafen mussten wir durch eine Überwachungstür gehen, und unsere Taschen wurden kontrolliert. Das ist ein seltsames Gefühl. Die Leute scheinen Angst zu haben, dass jemand eine Bombe mitbringt oder ähnliches. Das machte mich irgendwie traurig. Keiner in Deutschland muss Angst vor einer Bombe haben, warum also in Indien? Die Inder sind doch ein friedliebendes Volk. Ich habe gelesen, dass es Hindu-Fanatiker gibt, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Aber warum, habe ich nicht verstanden.
In einem Buchladen kauften wir eine Karte von Mumbai. Ich mag Buchläden, und dieser war einer mit einer CD-Abteilung. Ich würde sicher später noch einmal zurückkommen, für ein Buch über Yoga und eine CD mit indischer Musik, als Souvenir. Das Kino war leider voll, und der Film hatte schon angefangen. Es war ein Bollywoodfilm namens „Kismat Konnection“. Seema erklärte uns, dass Kismat Glück bedeutet. Wir hatten schon ein paar Mal im Fernsehen die Vorschau für diesen Film gesehen und waren neugierig, obwohl wir nichts verstehen würden. Auch in einem anderen Kino hatten wir kein Glück. Seemas Freund versprach, dass wir es nächste Woche noch einmal versuchen würden, diesmal mit einer Kartenvorbestellung. Stattdessen kehrten wir schwitzend (ja, die Hitze vertrage ich nicht) in das Shoppingzentrum zurück und kehrten in einem Lokal ein. Es war amerikanisch angehaucht, dort gab es sogar Steaks. Aber wir blieben bei paniertem Käse mit Nudeln drin und einer Tomatensauce (ja, das war wirklich lecker!), stark gewürzten Reis mit gebratenem Hähnchen und Brokkoli. Auch hier aßen wir quasi von einem Teller, jeder nahm sich hier und da einen Bissen und legte es auf seinen kleinen Teller – mit der eigenen Gabel, auch wenn diese schon benutzt war. So etwas kümmert die Leute hier nicht. Auch die Flasche Mineralwasser wurde brüderlich geteilt. Ich habe damit zum Glück keine Probleme. Ich genoss das Essen. Ich finde, es hat etwas Freundschaftliches, wenn man keinen „eigenen“ Teller hat. Seemas Freund machte Fotos von uns mit seiner Handykamera. Ich glaube, Sympathie gab es auf beiden Seiten. Leider musste Seema nach Hause, sie würde zwei Stunden bis nach Hause brauchen. Mein Kollege und ich fuhren mit der Riksha zum Apartment, und kamen auch gesund an. Ich glaube ich kann mich daran gewöhnen.

Fernsehen

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Mittlerweile habe ich den Fernseher ausgesteckt. Nichts gegen TV, aber ich brauchte die Steckdose für meinen Laptop. Ich hoffe, dass sich nicht aus Versehen die Sender verstellen. Ich könnte sie nicht wieder herstellen, da ich die Reihenfolge nicht nachvollziehen kann.
Was weiß man über indisches Fernsehen? Außer Bollywood? Na? Genau. Nämlich nichts. Höchstens durch Bombay TV ( http://www.grapheine.com/bombaytv/index-uk.php ) ein paar Sequenzen von seltsamen Filmen die man überhaupt nicht versteht und deshalb unsinnig untertiteln kann. Nur etwas für Kreative!
Natürlich gehört auch zu einem Trip nach Indien einmal Durchzappen durchs Fernsehprogramm, vergeblich versuchend, die Sender aus der Tageszeitung (Hindustan Times, gibt’s jeden Tag gratis zum Frühstück) den tatsächlichen Sendern im TV zuzuordnen. Aber ich muss sagen, es lohnt sich nur bedingt. 98% des Fernsehprogramms ist in Hindi, nur eine Nachrichtensendung ist auf Englisch. Ich hatte gehofft, US-Filme auf Englisch (mit Hindi-Untertiteln) zu sehen, aber bisher hatte ich kein Glück. Ich habe allerdings auch nur halbherzig gesucht. Kurzweilig war dagegen das Musikfernsehen. Kitschige Videos, wie man sie sich durchaus auch als Durchschnittseuropäer in Indien vorstellen könnte. Man wird nicht enttäuscht. Es geht wie immer um Männlein und Weiblein, die sich am Ende kriegen oder auch nicht. Dazu braucht man kein Hindi verstehen. Irgendwie sind wir ja doch alle gleich.

Die ersten Eindruecke

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Bevor ich nach Indien flog, sagte jemand zu mir, ich weiß gar nicht mehr wer es war, „Du wirst Indien hassen. Aber wenn du eine Weile nicht mehr dort warst, nach einem halben oder ganzen Jahr, wirst du dich danach zurücksehnen“. Ich glaube, ich weiß was er meint. Indien ist seltsam, man fühlt sich ständig wegen der eigenen Hautfarbe beobachtet (Riksha-Fahrer halten an und wenden sogar, wenn sie meinen Kollegen und mich an der Straße sehen, auch bei einem ganz normalen Spaziergang, in der Hoffnung, uns irgendwohin kutschieren zu können), das Essen, die Luft, die kaputten Straßen und die wilden Hunde, der unmenschliche Verkehr, die Sprachen (die eine die man sowieso nicht versteht und die andere, die man auch nicht versteht weil sie seltsam ausgesprochen wird), all das sind Dinge, die man bestimmt vermissen wird, wenn man wieder zurückkommt ins „langweilige“ Deutschland. Indien und seine Bewohner haben ihren ganz eigenen Reiz. Sie sind freundlich und zuvorkommend, sagen immer ja (auch wenn sie nichts verstanden haben) und sind sehr neugierig. Auf der anderen Seite weiß man nicht, wie man ihnen begegnen soll. Gibt man nun die Hand? Macht man gar nichts? Ich habe mich bisher immer daran gehalten, wie sie mit mir umgehen, wenn sie mir die Hand geben wollen gebe ich sie ihnen auch, wenn nicht, dann halt nicht. Ich bin etwas unsicher, ob das okay ist, oder ob ich tatsächlich wie zum Gebet die Hände aneinander legen soll. Ich fürchte, das sieht albern aus. Mein Kollege sprach heute das aus, was ich mir schon länger durch den Kopf gehen ließ, „Ich frage mich, ob deutsche Firmen genauso zuvorkommend wären, wenn jemand aus einem fremden Land herkommt. Wir kriegen überall Hilfe und Unterstützung, wenn wir Probleme haben.“ Da hat er allerdings Recht. Jeder erkundigt sich, ob es uns gut geht, und wenn irgendwas fehlt, kümmern sich die Leute direkt selbst darum. Wir stehen dem Ganzen etwas hilflos gegenüber, und hoffen, dass wir bald selbständiger werden. Ab nächster Woche werden wir versuchen, mit einem Tuktuk (Riksha) zur Arbeit zu fahren. Wir sollen uns diese Woche den Weg dorthin einprägen, um gegebenenfalls dem Fahrer Anweisungen geben zu können, falls er in die falsche Richtung fährt.

2. Tag

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Ich hatte gut geschlafen und war schon vor 8 Uhr Ortszeit wach. Ich war überrascht, wie schnell sich mein Körper auf die neuen Uhrzeiten einstellen kann. Vielleicht lag es auch daran, dass ich die Nächte davor nicht viel Schlaf abbekommen hatte, so nach dem Motto „Egal, wann ich Schlaf bekomme – Hauptsache ich bekomme überhaupt welchen!“. Zum Frühstück bestellte ich mir Kaffee (ich musste am Tag zuvor feststellen, dass der Tee überhaupt nicht meinen Vorstellungen entsprach und mir widerlich schmeckte), Toast mit Butter und Marmelade. Die Marmelade war unmenschlich süß, und ich konnte nicht herausfinden, um welche Sorte es sich handelte. Ich würde am nächsten Tag ein anderes Frühstück bestellen, Zeit habe ich genug, die Karte rauf und runter zu probieren. Es stellte sich nämlich heraus, dass ich die ganzen zwei Monate dieses Apartment behalten würde. Wir fragten den Mann an der Rezeption, ob wir Internet bekommen könnten. Ich habe mich immer noch nicht an das Hinglisch gewöhnt, die seltsame Variante von Englisch, die sie hier sprechen (die überall auf der Welt sehr unterhaltsam parodiert wird), aber offenbar ist es durchaus möglich, Internet zu bekommen, wir würden am Abend erfahren, wie teuer es wird. Mir ist im Grunde egal, wie teuer, Hauptsache ich habe die Möglichkeit, meine Familie und Freunde zu erreichen und endlich diesen Blog zu veröffentlichen. Es könnte ja doch sein, dass ihn jemand lesen möchte. Es besteht sogar die Möglichkeit, eine Kochplatte zu bekommen, für 500 Rupien (ca. 10 Euro), so lange, bis die Gasflasche leer ist. Es ist auf jeden Fall eine Option, selbst zu kochen. Wir können die Menükarten der Restaurants und vor allem die des Apartments nicht lesen (mein Hindi-Wörterbuch hilft leider nur bedingt), und es macht sicher Spaß, sich selbst etwas aus der unendlichen Vielfalt an Linsen, Reis, unbekannten Körnern usw. zu kochen. Vielleicht finden wir sogar ein Kochbuch, oder irgendwas Bekanntes unter dem Unbekannten. Wir haben auch endlich Geld gewechselt. Wie zu erwarten war, platzt mein Portemonnaie aus allen Nähten, ich habe 300 US-Dollar gewechselt. Ich weiß nicht, wann ich das nächste Mal Geld bekommen kann, deswegen soviel. Ich möchte damit erstmal die ersten Tage und Wochen ohne Probleme auskommen.

1. Tag, spaeter

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Am späten Nachmittag holte uns unser Projektmanager ab, damit wir Wasser kaufen und unsere Eltern anrufen konnten. Später gingen wir essen. Der Projektmanager und seine Frau fragten, was wir gerne essen. Ich würde gerne indisches Essen probieren, ich hätte nur etwas gegen Kokos. Die beiden waren Vegetarier, also aß auch ich vegetarisch an dem Abend. Es ist immer besser, das Gleiche zu nehmen wie der Gastgeber, wenn man die Speisen nicht kennt, dachte ich jedenfalls, und ich wurde nicht enttäuscht. Die beiden bestellten „not so spicy“, es war aber trotzdem sehr scharf. Es gab zwei „Gänge“, wenn man das so nennen kann, die Kellner gaben das Essen von einer Platte direkt auf unsere Teller, so dass man auch aussuchen konnte, was man haben möchte und was lieber nicht. Es waren verschiedene angemachte Gemüsesorten wie Blumenkohl und Kartoffeln sowie Hüttenkäse und Pilze im ersten Gang. Dazu gab es ein grünes Chutney, die Frau nannte es so, ich weiß nicht was darin ist. Dieses Chutney war scharf, aber angenehm. Nur an manchen Stellen wurde wohl nicht so gut umgerührt, ich hätte Feuer spucken können. Der zweite Gang bestand aus verschiedenen Breisorten. Das Nationalgericht „Dal“, also Kichererbsenbrei, dann Hüttenkäse mit einer hellen Sauce (das fand ich besonders lecker), und Spinat mit kleinen Maiskölbchen gemischt. Diese Gerichte essen Inder mit den Händen, das heißt, es gibt flaches Brot dazu, „Naan“, das man mit der rechten Hand in Stücke reißt (so sehr ich mich bemühte, ich schaffte es nicht mit einer Hand, vielleicht lag es daran, dass ich Linkshänder bin?) und damit die Breisorten aufnimmt. Unsere Gastgeber sagten zwar, wir könnten auch gerne mit Gabel und Löffel essen, aber was sich so gehört, wird auch so gemacht. Sie kicherten zwar albern, weil ich mich nicht so geschickt anstellte, aber ich glaube ihnen gefiel, dass ich es wenigstens versuche. Meinem Kollegen gelang es besser, weil er diese Art zu essen von seinem Vater kannte, der eine Zeit in Afrika gelebt hatte. Es hat mir sehr gefallen. Das Dal war mir zu scharf, da musste ich leider nach ein paar Brotstücken passen (ich war froh, dass meine Gastgeberin auch sagte, dass es ihr etwas zu scharf war!), aber es war alles sehr lecker, und ich wurde mehr als satt. Ich wunderte mich etwas, wie viel Leute essen können, die so schlank sind wie die (meisten) Inder. Was mich auch wunderte war, dass meine Gastgeber zu dem Essen heißes Wasser tranken. Keinen Tee, sondern heißes Wasser. Ich fragte allerdings nicht danach. Nach dem Essen bekam jeder ein kleines Schälchen mit warmem Wasser, in dem ein Stück Limette schwamm. Ich ließ mir von der Gastgeberin zeigen, wie man es benutzt. Die Fingerspitzen werden in das Wasser gehalten, und mit den Fingerspitzen „zerbröselt“ man die Limette, um die Hände zu säubern. Der Geruch ist toll.
Beim Hinausgehen wurde uns Munquas (oder so ähnlich) angeboten, das so ähnlich aussieht wie Kaninchenfutter, also kleine Körner von verschiedenen Getreiden. Man nimmt einen Teelöffel davon in die Hand und knabbert es. Es schmeckt ein bisschen minzig, was man von Kaninchenfutter nicht erwarten würde. Es gab auch andere Sorten, Pfefferminzbonbons und dunkelgraue Kugeln mit puderzuckerartigem Mehl darauf. Diese Kugeln wurden mir empfohlen, also probierte ich auch diese. Die Konsistenz war in etwa die einer gekochten Erbse, vielleicht etwas härter. Der Geschmack war seltsam und ich verzog das Gesicht, was die Umstehenden zu herzlichem Gelächter verführte. Ich war etwas beschämt, ich hätte nicht zeigen sollen, dass ich nicht so begeistert bin von dieser Spezialität. Mein Projektmanager fragte mich sogar, ob ich es ausspucken möchte. Da hatte ich es längst heruntergeschluckt hatte und es eigentlich nicht so schlimm war wie mein Gesichtsausdruck offensichtlich vermuten ließ, erklärte ich ihm, dass es nur fremdartig geschmeckt hat. Ich hoffe, dass ich nicht einen schlechten Eindruck hinterlasse.

Hinweis

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Die nächsten Teile des Blogs werden zeitverzögert veröffentlicht, da es in Indien Schwierigkeiten gibt, Internet zu bekommen. Zur Orientierung gibt es entsprechende Überschriften. Den ersten Teil schreibe ich zu meinem ersten Frühstück – Käseomelette mit Toast und Butter und dazu „indischen“ Kaffee – der eigentlich nur aus Milch mit viel Zucker besteht. Ich habe noch keinen Kaffeegeschmack darin gefunden. Das nächste Mal gibt’s Tee. Ich schaue fern, um zu erkennen, dass es die Duracellhäschen immer noch gibt. Sie sind ausgewandert nach Indien, um dort zu klettern.

Das Winamp Orakel

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Ich glaube nicht an Hokuspokus, aber manchmal habe ich ein paar Anwandlungen dass ich sage, das nächste Lied was in Winamp gespielt wird, hat in seinem Text eine wichtige Botschaft für mich. Was liegt da näher, es für die Reise nach Indien auch zu tun?

Winamps Shufflefunktion wählte Pink Floyd – „Comfortably Numb“. Und tatsächlich. Eine Textzeile lautet:

„Come on it’s time to go.“

Ja, Winamp hat immer Recht. David hats schon immer gewusst 😉

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