Für einen richtigen Indien – bzw. Mumbai-Blog gehört es sich doch eigentlich, etwas über den mehrfach Oscargekrönten Film “Slumdog Millionaire” zu schreiben. Ich hatte nie die Zeit gefunden, ihn mir anzuschauen, aber heute war es soweit. In meiner neuen Wohnung, mit neuem Fernseher und Blu-Ray-Player, habe ich mich auf mein rotes Sofa gefläzt und mir den Film angeschaut. Ganz allein, wie es eigentlich nicht meine Art ist. Eigentlich schaue ich am Liebsten Filme, wenn ich mit jemand auf dem Sofa sitze und meinen Kopf auf dessen Schulter legen kann. Aber so konnte ich mich ganz der Geschichte hingeben, und nach den ersten zehn Minuten fühlte ich mich direkt in meine Zeit in Indien zurückversetzt, mit all den Schrecken und all der Faszination.
Der Film handelt von einem kleinen Jungen aus den Slums, der mit seinem Bruder zusammen das Leben meistert und später bei “Wer wird Millionär” die schwierigsten Fragen beantwortet. Zwischenzeitlich landet er in einem Waisenhaus, in dem die Kinder zum Betteln auf die Straße geschickt werden und größtenteils mit Absicht verstümmelt werden, um das Mitleid der Reichen zu erregen. Bevor ich nach Indien flog, hatte man mich vor diesen Kindern gewarnt. Wenn ich ihnen Geld geben würde, würde diese Praxis noch weiter verfolgt, so würden immer mehr Kinder verstümmelt. Einmal fuhr ich mit einer Riksha, und in einem der vielen Staus lief eine Frau mit einem jungen Mann herum, er war nur mit einer Hose bekleidet, und sein rechter Arm war bis zur Schulter verschwunden. Ich habe ihn nur angestarrt und wusste nicht, was ich tun sollte. Den ganzen Weg sprach ich nicht mehr mit meiner Begleiterin.
Der unmenschliche Verkehr, die vollen Bahnhöfe, die Züge und die Menschen, all das erinnerte mich an meine Zeit. Reichtum neben Armut, Korruption, Gewalt, das volle Programm. Wer noch nie in Mumbai war, sollte sich diesen Film ansehen. Er wird mich verstehen.








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