Bitte!

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Eines Sonntagabends fuhr ich in Mönchengladbach zu einer Tankstelle, um danach nach Hause zu kurven. Ich war schon etwas müde und gähnte leise, während der Kraftstoff in meinen Wagen floss. Ich schaute mich um, aber die versprochenen Helfer waren nicht da. Das letzte Mal, als ich an dieser Tankstelle war, hat mir ein Angestellter die Scheiben gesäubert. Vor Kurzem gab es ja diese Werbung im Fernsehen, für die Kette mit der Muschel. Seufzend schloss ich mein Auto ab und ging rein, um zu bezahlen. Es war recht leer, ich entschied mich dagegen, eine Zeitung zu kaufen. Sowieso rausgeworfenes Geld, ich würde eh wieder vergessen sie zu lesen. Völlig in Gedanken ging ich an die Kasse und nannte dem Verkäufer die Nummer der Zapfsäule. Plötzlich strahlte er mich an und sagte etwas, ich verstand aber nichts, ich war wie gesagt in Gedanken. Mit einem mir eigenen charmanten “Hä? Was?” antwortete ich ihm. Er wiederholte, was er gesagt hatte. “Sie sind die Erste, die Bitte sagt.” Ich verstand immer noch nicht. “Nun, die meisten sagen nur die Nummer, aber Sie haben ‘Die Fünf, BITTE’ gesagt”. Ich verzog das Gesicht zu einem schrägen, verständnislosen Grinsen. “Ist das nicht eigentlich selbstverständlich?” murmelte ich. “Nein”, antwortete er, “seitdem ich hier arbeite, sind Sie die Erste. Danke sagt auch niemand.”

“Komisch”, sinnierte ich dann, “seit wann arbeiten Sie denn hier?” – “Seit mehr als einem Jahr.”

Das ist ja irgendwie traurig. Meine Eltern haben mir damals beigebracht, immer bitte und danke zu sagen. Ich überlegte mir, welche Leute denn dort tanken gehen. Geschäftsmänner mit dicken Mercedessen, junge Leute in Kleinwagen, Familienväter mit ihren Kombis. Und keiner sagt bitte? Der junge Mann an der Kasse tat mir irgendwie Leid. Er sagte selbst, “Das ist das Kreuz mit den Dienstleistern. Das sieht jeder als selbstverständlich an.” Im Grunde ist es das auch, aber das heißt doch nicht, dass man sich dafür nicht bedanken sollte.

Grübelnd und gedankenverloren fuhr ich nach Hause, mit einem vollen Tank.

Slumdog Millionaire

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Für einen richtigen Indien – bzw. Mumbai-Blog gehört es sich doch eigentlich, etwas über den mehrfach Oscargekrönten Film “Slumdog Millionaire” zu schreiben. Ich hatte nie die Zeit gefunden, ihn mir anzuschauen, aber heute war es soweit. In meiner neuen Wohnung, mit neuem Fernseher und Blu-Ray-Player, habe ich mich auf mein rotes Sofa gefläzt und mir den Film angeschaut. Ganz allein, wie es eigentlich nicht meine Art ist. Eigentlich schaue ich am Liebsten Filme, wenn ich mit jemand auf dem Sofa sitze und meinen Kopf auf dessen Schulter legen kann. Aber so konnte ich mich ganz der Geschichte hingeben, und nach den ersten zehn Minuten fühlte ich mich direkt in meine Zeit in Indien zurückversetzt, mit all den Schrecken und all der Faszination.

Der Film handelt von einem kleinen Jungen aus den Slums, der mit seinem Bruder zusammen das Leben meistert und später bei “Wer wird Millionär” die schwierigsten Fragen beantwortet. Zwischenzeitlich landet er in einem Waisenhaus, in dem die Kinder zum Betteln auf die Straße geschickt werden und größtenteils mit Absicht verstümmelt werden, um das Mitleid der Reichen zu erregen. Bevor ich nach Indien flog, hatte man mich vor diesen Kindern gewarnt. Wenn ich ihnen Geld geben würde, würde diese Praxis noch weiter verfolgt, so würden immer mehr Kinder verstümmelt. Einmal fuhr ich mit einer Riksha, und in einem der vielen Staus lief eine Frau mit einem jungen Mann herum, er war nur mit einer Hose bekleidet, und sein rechter Arm war bis zur Schulter verschwunden. Ich habe ihn nur angestarrt und wusste nicht, was ich tun sollte. Den ganzen Weg sprach ich nicht mehr mit meiner Begleiterin.

Der unmenschliche Verkehr, die vollen Bahnhöfe, die Züge und die Menschen, all das erinnerte mich an meine Zeit. Reichtum neben Armut, Korruption, Gewalt, das volle Programm. Wer noch nie in Mumbai war, sollte sich diesen Film ansehen. Er wird mich verstehen.

Die Geschichte vom Sack

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Neulich hat mich DigiTalk daran erinnert, dass ich noch gar nicht die Geschichte vom Sack gebloggt habe. Die Geschichte vom Sack war das wohl seltsamste Erlebnis in Indien.

An einem heißen Wochenende saß ich in meinem Apartment und ahnte nichts Böses, als plötzlich jemand an meiner Tür klingelte. Der Portier, der Hausbesitzer und noch jemand standen vor der Tür, der Unbekannte mit einem großen Kartoffelsack in der Hand. Alle typisch indisch freundlich lächelnd. Ich wollte noch protestieren, aber schon standen sie bei mir mitten im Wohnzimmer. Mit dem Sack. Der Portier fing an zu erklären. “Miss Kerstin, something religious….” Ich guckte nur blöd, und schon verschwanden die drei in meinem Schlafzimmer. Leicht schaudernd folgte ich ihnen, um mit anzusehen, dass der Unbekannte den Kartoffelsack auf meinen Kleiderschrank legte. Ich sagte aber nichts. “Thank you, Madam”, würgten die drei noch heraus und gingen wieder. Ich schlich ins Schlafzimmer und begutachtete meinen Schrank. Ich stellte mich auf mein Bett um besser sehen zu können. Es war ein Sack. Ich wollte ihn nicht anrühren.

Ich schrieb Shaan eine SMS. “There is a big bag on the top of my wardrobe, plz help!” Zurück kam: “????” Das hatte ich mir schon gedacht.

Ich rief Seema an. “Hey, Deepak and two others came and they put a big bag, or a sack, for potatoes or something, onto my wardrobe. They said it is something religious. What do you mean?” Sie war etwas irritiert. “I never heard anything about that. I will come and help you!”

Zwei Stunden später standen wir beide vor dem Schrank. Seema kletterte aufs Bett und schaute darauf. Dort lag der Sack immer noch. “There are some big ants in my apartment, perhaps they are in the bag!”, sagte ich. Sie zuckte nur mit den Schultern. Todesmutig griff sie nach dem  Sack und holte ihn herunter. Sie öffnete ihn und schaute hinein. “It’s empty.” Ich durfte mich selbst davon überzeugen. Sie sagte mir, sie hätte den Sack einfach weggeworfen. Ich war mir nicht sicher, vielleicht gab das einen bösen Hindufluch oder sowas. Und das in meinem Schlafzimmer! Wir einigten uns darauf, den Sack einfach wieder auf den Schrank zu legen und ab jetzt zu ignorieren. Seema versuchte mich noch zu trösten. “Let’s go shopping, dear.” Damit war der Fall erledigt.

Killerspiele!

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Ja, ich mag Computerspiele, naja, eigentlich nur eins, und zwar World of Warcraft. Warum muss man sich eigentlich dafür schämen? Ist mir etwas schleierhaft. Ja, ich habe diverse Sendungen á la Frontal 21 (der Lacher unter Gamern) gesehen. Was in den Medien erzählt wird, ist grotesk. World of Warcraft ist ein Killerspiel! Killerspiele lassen unschuldige Kinder Amok laufen! Computerspieler sind asozial und haben keine Freunde! Ein eindeutiger Kanon. Was früher nur für Counterstrike galt, wird heute auf alle Computerspiele pauschalisiert. Hauptsache, man hat in der Erziehung alles richtig gemacht. Der Computer ist alles Schuld! Mittlerweile gelten Spieler auch als süchtig. Ich denke, jeder Computerspieler hat schon diversen Leuten gehört, sie wären “süchtig”. Es gibt sogar sch0n entsprechende Therapien.

Dass auch gebildete Leute mit Erfolg im Job am Computer spielen und das Ganze als ein Hobby sehen, wird einfach ignoriert. Computerspiele sind doch böse und asozial und größtenteils arbeitslos..? Denkste. Wer einmal gespielt hat und sich mit anderen Leuten unterhalten hat die es auch spielen, wird eines Besseren belehrt. Die meisten Spieler, die ich kenne, spielen zur Entspannung, und als Hobby. Wie andere Leute vielleicht Fußball spielen oder Bücher lesen. Es ist immer eine Frage, was man daraus macht.

Klar, es gibt Kinder und Jugendliche, die nichts anderes tun als von morgens bis abends zu spielen. Aber da ist das Computerspielen sicherlich ein Symptom und keine Ursache. Traurige Gestalten, die vielleicht in der Schule gemobbt werden und in der Familie ebenfalls keine Anerkennung finden, flüchten sich in solche Spiele, die einem eine heile Welt vorspielen und in der man Erfolge ganz einfach erreichen kann.

In diversen Spielforen werden unregelmäßig Umfragen durchgeführt, für Magister- oder Diplomarbeiten oder was auch immer. Ergebnisse sieht man entweder gar nicht oder kurz in demselben Forum zusammengefasst. An die Öffentlichkeit gehen die Autoren nicht. Warum? Es wäre sicherlich ein Skandal, wenn herauskäme, dass die Medien Unrecht haben.

Es macht mich etwas traurig, dass ich mich nicht traue, “Computerspielen” neben Öl- und Aquarellmalerei als Hobby anzugeben. Man wird schnell abgestempelt. Dass ich durchaus Freunde habe (die übrigens selbst nicht spielen) und im Allgemeinen ein kommunikativer Mensch bin, einen gutbezahlten Job und sogar einen Titel habe, gerät dann schnell in den Hintergrund. “Was? Du spielst WoW? Das hätte ich nicht von dir gedacht.” – So etwas habe ich nicht nur einmal gehört.  Ich habe mir angewöhnt, solche Dinge erst zu erwähnen, wenn man auch meine “normale” Seite kennt. Vielleicht ist das die beste Strategie.

Hilfe! Krankenhaus!

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Ich war noch gar nicht fertig mit meinem Erfahrungsbericht Indien. Ich bin nun schon seit zwei Monaten wieder in Deutschland, aber ich habe einen Artikel immer vor mir hergeschoben. Ich war vielleicht nicht bereit dafür. Aber ich denke, so langsam wird es Zeit.

Es ist Ende September, und eigentlich freue ich mich schon auf den Rückflug. Das Klima macht mir zu schaffen. Seit ein paar Tagen fühle ich mich seltsam. Erst dachte ich, es ist eine Erkältung ohne Schnupfen. Ich kann mich kaum auf den Beinen halten. Mir ist schwindlig und übel, gehe aber trotzdem zur Arbeit. Eines Abends allerdings bin ich total fertig, ich gehe nicht mehr raus und habe Angst, mir irgendeine Tropenkrankheit eingefangen zu haben. Wer weiß, welch seltsame Viren hier durch die heiße Luft schweben. Ich rufe Peter an, der sofort vorbeikommt. Es ist 22.00 Uhr. Er schlägt mir vor, dass ich Seema anrufen sollte. Mir ist so komisch, dass ich sie am Telefon kaum verstehe. Aha, offensichtlich verschlechtert sich auch mein Englisch, wenn ich krank bin. Unter Tränen brülle ich sie an, natürlich unbeabsichtigt. Sie sagt, ich soll Shaan anrufen, dass er vorbeikommt. Jemanden im Krankenhaus zu haben, der Hindi spricht, kann durchaus von Vorteil sein. Peter ruft Shaan an, wir wollen uns im Krankenhaus treffen. Gehen kann ich, aber nur langsam. Peter nimmt mir meine Tasche ab, obwohl ich sie nur ungern abgebe. Solange er nicht versucht mich zu stützen ist alles okay. Wir fahren mit einer Riksha, wir sind froh, dass wir schnell eine bekommen. Die Fahrt kommt mir ewig vor. Die Riksha wird ordentlich durchgeschüttelt, und mir wird wieder schlecht. Schließlich halten wir vor der Notaufnahme. Ich bezahle. Auf wackligen Beinen stehe ich dann da, um mich anzumelden. Shaan redet mit der Schwester. Ich sehe mich um. Die Wände sind gelblich gestrichen, überall hängen Vorhänge vor schmalen Betten. Ein Baby weint. Soweit ich das erkennen kann, ist es ziemlich voll. Die Schwester bedeutet mir, mich auf eins der freien Betten zu setzen. Ich sehe sofort den großen Blutfleck, der darauf eingetrocknet ist. Ich setze mich daneben, darauf bedacht, ihn nicht zu berühren. Nach einer Weile kommt der Arzt. Er sieht vertrauenserweckend aus. Ich gebe ihm das Notizbuch, auf dem ich auf Englisch notiert habe, welche Beschwerden ich habe. Einiges hatte ich im Online-Wörterbuch nachschauen müssen. Er spricht größtenteils mit Shaan, auf Englisch. Dann bedeutet er mir, mich auf ein anderes Bett zu legen, weil er den Blutfleck gesehen hat. Dann lässt er mich allein. Schwestern kommen, messen Fieber und den Blutdruck. Später wird mir eine Infusion gelegt, von drei Schwestern gleichzeitig. Es tut so weh! Ich beiße mir auf die Lippen. Ich glaube nicht, dass ich meine Hand noch weiter gebrauchen kann. Peter geht weg und kümmert sich um den Papierkram, Shaan bleibt bei mir und macht Fotos und ein Video von mir, wie ich am Tropf liege, um mich aufzuheitern. “Damit du zu Hause zeigen kannst, wie tapfer du bist!”, so sein Kommentar dazu. Er bringt mich tatsächlich zum Lachen. Der Tropf ist wohl zu langsam, jedenfalls ist er erst nach drei Stunden durchgelaufen. Es handelt sich um gelöste Dextrose, um mich aufzupäppeln. Ich habe ja seit Tagen kaum etwas gegessen, und wenn, konnte ich es nicht bei mir behalten. Der Arzt sagt, es liegt am Klima. Ich vertrage es einfach nicht. Ich bin eben eine schwache Europäerin. Der Bluttest hat gezeigt, dass ich kein Malaria habe. Er gibt mir einige Tabletten mit. Ich fühle mich besser, durch die Energiezufuhr. Ich kann deshalb kaum schlafen.
Zwei Tage später werden meine Beine und Füße rot und schmerzen. Was ist bloß los? Ich bekomme Panik. Im Internet suche ich nach dem Namen der Tabletten. Bei einer Sorte werde ich fündig; diese Tabletten sind sehr stark und können toxisch sein. Und sie haben schmerzende Gliedmaßen als Nebenwirkung. Ich setze die Tabletten ab, meine Beine tun aber weiter weh. Abends fahre ich wieder mit Peter zum Krankenhaus und nehme meine Krankenakte mit. Ich bekomme eine Spritze (in dieselbe Stelle wie die Infusion) und andere Tabletten. 4 Tage werde ich krank geschrieben.

Und heute erinnert mich immer noch ein großer, schmerzender blauer Fleck auf meiner Hand an dieses Erlebnis. Ich vermute, dass durch die Infusion Gewebe verletzt wurde. Ich habe nicht die Muße, zum Arzt zu gehen.

Dürfen Weiße indische Kleidung tragen?

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Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt. In Büchern habe ich gelesen, “Um Gottes Willen, nein! Inder mögen das nicht”. Weiße habe ich hier in Indien während meines 2monatigen Aufenthalts nur zweimal gesehen, und keinen mit indischen Klamotten. Also musste ein Selbstversuch her.
Seema hat mich schon öfter gebeten, doch mal freitags meinen Salwar Kameez zu tragen, im Büro. Okay. Sie ist Inderin, sie muss also wissen, wie die Inder reagieren. Am Donnerstag wollten wir uns mit Sandeep treffen, das sollte mein erster Versuch werden. Meinen Salwar ließ ich im Apartment, das war dann doch etwas zuviel, ich zog einfach meine schwarze Hose an. Ein Kameez, eine Dupatta, und ein schickes Armband, das ich mir neulich geleistet habe, fertig war mein Indienlook. Das Erste was mir auffiel war, dass es Indern sofort auffällt. Sandeep war begeistert. Er sagte es sieht gut aus und fragte ob er mich heiraten darf. Auf meine Frage, ob ich nun aussehe wie eine Inderin, sagte er ja. Mit der Antwort war ich glücklich und ich fühlte mich direkt wohler. Der große Tag konnte kommen.
Freitag Morgen. Weißer Salwar, roter Kameez mit Stickereien und blaue Dupatta (die richtigen Artikel kenne ich nicht, ich habe bisher nur englische Beschreibungen gelesen :-) ) angezogen und ab zur Arbeit. Das erste Mädel, das mir auf dem Flur im Seepz entgegenkam, sagte schon “You look pretty today!” Im Laufe des Tages kamen eine Menge Kollegen zu meinem Schreibtisch und sagten, dass ihnen mein Outfit gefällt. Andere beschränkten sich auf eine Email oder eine Nachricht im Chat. Aber jeder war begeistert. Beim Mittagessen begrüßte mich einer mit zusammengelegten Händen und einem “Namaste!” Ich überlegte noch, ob ich auf die gleiche Weise antworten soll… Naja, beim nächsten Mal.
Einige meinten, sie würden mich gerne im Sari sehen. Ich habe einen, ja; aber ob ich den tragen würde in aller Öffentlichkeit ist eine ganz andere Frage… Seema meinte sogar, ich sollte mir dann auch ein Bhindi zulegen, also den Punkt auf der Stirn. Das könnte ich mir mal gar nicht vorstellen. Ich glaube, die Leute würden denken, ich habe ein Rad ab. Sie ist da völlig anderer Meinung. Sie meint, das würde ganz toll aussehen, und ich soll es doch mal nächsten Freitag, zusammen mit dem Sari, probieren. Dann ist eine Feier von der Firma… Sie würde auch einen Sari tragen, wenn ich einen trage. Toll.

One Night in B…ombay

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Nach anderthalb Monaten in Mumbai ist es längst Zeit, das Nachtleben zu checken. Bisher haben wir zwei Club Bars ausprobiert, das MYST und Cafe Escape. Beide liegen ziemlich nah beieinander, nämlich auf der gleichen Straße, in der Nähe der Infiniti Mall in Andheri (W).

MYST

Im Myst ist es sehr dunkel, einmal hatten wir Stromausfall und wir hätten es nicht gemerkt, wenn sonst keine Musik laufen würde. Die Musik ist schön laut und größtenteils angenehm. Naja, zuviel Techno kann auch mal passieren, aber solange dazwischen Justin Timberlake, Nelly Furtado und Timbaland laufen geh ich gerne dahin. Das Essen dort ist super, ziemlich international. Ich habe die Pasta sehr genossen. Ja, wenn man einen Monat keine Pasta mehr gegessen hat, vermisst man sie irgendwann.

Im Club Escape waren wir gestern. Er war wie man sich einen Club vorstellt, in einem Hinterhof, mit dick gepolsterten Wänden, einem DJ und einer kleinen Tanzfläche, hell beleuchtet von Spots und sich bewegenden Lichtern und Lichtspielen. Ab und zu wurde auch die Nebelmaschine angestellt. Die Musik reichte von R’n'B bis Techno, Hindi und Englisch. Ich wurde nach kurzer Zeit zum Tanzen aufgefordert, von wildfremden Leuten, und es machte eine Menge Spaß. Naja, ich hatte auch einiges getrunken, und mir war völlig egal, wie ich aussehe, wenn ich wie blöde herumhüpfe. Um 1.30 Uhr war leider schon Schluss, da holte uns die Wirklichkeit wieder ein … Ach ja, stimmt ja, wir sind ja in Indien… Zehn Minuten später stand die Polizei vor der Tür, und wir waren ziemlich glücklich darüber, dass wir schon draußen waren. Und wir wurden seltsamerweise nicht vom Rikshafahrer verarscht.

Neulich in der Bank…

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Ein Gespräch zwischen mir (K) und meiner indischen Freundin (S), beide sitzen auf Stühlen in einer Bank und langweilen sich. Ich beobachte die Leute.
S: “Was machst du da?”
K: “Ich beobachte die Leute.”
S: “Ach ja? Wen denn zum Beispiel?”
K (zu einem Mann in einem weißen Schlafanzug nickend): “Na den da. Der sieht aus als hätte er einen Pyjama an.”
S: “Das IST ein Pyjama. Das ist die typische indische Kleidung für Männer…”

Ähm, ja. Ihr Männers, freut euch schon, ich bring euch Schlafanzüge mit :D

Reisen in Mumbai

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Reisen in Mumbai ist, wie man es dreht und wendet, ein Abenteuer. Egal, ob man mit einer Riksha, dem Bus oder mit dem Zug fährt, als Europäer hat man Angst um Leib und Leben – oder man lacht sich kaputt. Hat jemand von euch schonmal versucht, in einer Riksha sich den Weg zu notieren? Nein? Ich schon. Und ich dachte ich hätte eine schöne Handschrift. Die Riksha buckelt wie ein Wildpferd auf vielen Straßen in Mumbai. Man sollte auch nicht die Tasche öffnen während der Fahrt, mit Pech könnte es sein, dass der Inhalt auf die Straße fällt. Und bei Regen könnte es sein, dass man von oben bis unten klatschnass wird, weil ein anderes Auto neben der Riksha durch eins der tiefen Löcher in der Straße fährt. Igitt, aber alles schon passiert. Blöd, wenn man grad auf dem Weg zum Büro ist.

Eine Riksha von innen

Aber man sollte nicht meckern, man sollte froh sein, überhaupt eine Riksha erwischt zu haben. Heute zum Beispiel haben wir eine halbe Stunde gewartet, bis eine Riksha bereit war, uns zum Büro zu fahren. Viele hatten einfach die Fahrt verweigert, weil die Strecke ihrer Meinung nach zu kurz ist. Laut Tageszeitung können solche Leute zu 100 Rupien Strafe verdonnert werden und sogar den Führerschein abgenommen kriegen. Manchmal wünsche ich mir einen Polizisten vor meinem Apartment. Aber in Indien ist es ja sowieso egal, ob man pünktlich ist oder nicht. Man sollte allerdings darauf achten, dass das Taxometer (“Meter”) angestellt ist, und bei vorgeschlagenen Festpreisen immer nein sagen. Die sind nämlich immer (!) Wucher. Touristen werden halt gerne verarscht, aber die lieben Rikshafahrer haben nicht mit uns gerechnet. Sie wurden schon schallend von uns ausgelacht. Pech!

Am Wochenende haben wir uns an das nächste Abenteuer herangetraut, nämlich Zug fahren. Ihr kennt das sicher, schlimme Videos auf Youtube mit halb zerquetschten Leuten.

Naja, es war Sonntag, und es war nicht ganz so schlimm. Zur Rushhour würde ich sicher nicht mit dem Zug fahren wollen. Ich würde wahrscheinlich gar nicht erst die Treppe erreichen.

Bahnhof

Das Problem an der Sache mit dem Ein- und Aussteigen ist der, dass der Zug nur 30 Sekunden hält, egal an welchem Bahnhof. Es will natürlich jeder Hinein und vor allem Hinaus. Aus diesem Grund gibt es getrennte Abteile für Männer und Frauen, damit die lieben Mädels auch eine Chance haben, ihr Ziel zu erreichen. Trotzdem hatte ich ein ungutes Gefühl.

Der Zug kam, mit offenen Türen. Die Leute hängten sich an die Haltestangen im Zug, so dass sie mit dem Oberkörper schon draußen waren, damit sie die ersten sind, die raus können. Ich wurde an die Hand genommen und quasi in den Zug hineingezogen. Wir blieben an der offenen Tür stehen, da wir nur zwei Stationen fahren würden. Wir würden sonst nicht herauskommen. Ich musste mich an einer Stange, zwanzig Zentimeter über mir, festhalten.

Offene Tür im Zug

Eine Frau mir gegenüber, vollständig in schwarz gekleidet (man konnte nur die Augen sehen), kicherte, als sie mich sah, und ich grinste gequält. Die Reise war sehr aufregend, der Zug rüttelte und fuhr (meiner Meinung nach) ziemlich schnell. Ventilatoren hingen von der Decke, aber es waren solche, die man normalerweise auf den Tisch stellt, keine klassischen Deckenventilatoren. Mir war trotzdem heiß und ich schwitzte, wahrscheinlich auch vor Aufregung. Leute stiegen ein und aus und schubsten mich dabei aus Versehen.

Dann kam unsere Station und ich hielt unwillkürlich die Luft an. Denk dran, Ellbogen raus! Ich bin eigentlich kein Freund von körperlicher Gewalt… Bis eine alte Frau auf den Zug sprang und auf Hindi fluchte, schubste und versuchte an uns vorbeizukommen. Ich nahm allen meinen Mut zusammen und sprang, auf niemanden achtend, aus dem Zug. Als ich kapiert hatte, dass ich es geschafft habe, war der Zug auch schon weitergefahren.

Indien und die Sicherheit

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Schon in den ersten Tagen, die man in Indien verbringt, stellt man sich eine bestimmte Frage. Leiden die Leute hier unter Verfolgungswahn? Man kann nicht einmal McDonald’s betreten, ohne dass jemand in die Taschen schaut. Am Anfang fand ich das ziemlich laecherlich und wichtigtuerisch. Am jedem Eingang in eine Shoppingmall muss man durch einen Detektor treten, genau wie am Flughafen. Auch auf der Arbeit braucht man einen Ausweis, um reinzukommen, und es sind keine elektronischen Geraete erlaubt (einmal hatte ich eine Fotokamera dabei, das gab einen Aufstand!). Gerade bei uns “anders Aussehenden” wird so gut wie immer der Ausweis kontrolliert, ich vermute, aus Neugierde. Na ja, im Buero verstehe ich ja noch, warum man keine Speichermedien mitnehmen darf, man koennte ja geheime Daten herausschmuggeln. Aber selbst mit einem USB-Hub darf man nicht in das Gebaeude. Naja, ich habe daraus gelernt und nehme nichts Elektronisches mehr mit, ausser mein Handy – obwohl dort auch eine Kamera eingebaut ist, und sogar eine Micro-SD-Karte. Das ist wiederum vollkommen okay. Unlogisch.
Die staendigen Kontrollen ueberall und in jeder Lebenslage mag ich nicht. Besonders das Wuehlen in meiner Handtasche. In Deutschland ist der Inhalt einer Damenhandtasche ein Mysterium, hier weiss so gut wie jeder, was drin ist. Ich habe mittlerweile den Inhalt meiner Tasche reduziert, das ist fast wie Seelenstriptease. Ein bisschen Privatsphaere bleibt mir dann doch noch. Einmal wurde ich sogar gefragt: “What’s this?” – es war lediglich mein Portemonnaie, prall gefuellt mit zig Rupees – ich habe halt nie eine Ahnung, wieviel ich mitnehmen soll, es koennte ja doch noch eine Shoppingtour kommen (naja, wirklich viel ist es auch nicht, es sieht nur so aus, eine Rupie ist ja nicht viel wert!). Aber so gross, dass darin etwas versteckt sein koennte, war es nicht. Sie gab sich dann auch mit der Antwort zufrieden.
Morgens werden wir von einem Mann in Uniform (Security!) zum Trainingsraum begleitet. Er hat sogar eine Muetze an, die mich an irgendwas erinnert. Ich weiss nicht was es ist, aber ich muss immer grinsen. Man kommt sich dann auch selbst irgendwie wichtig vor und stolziert ihm hinterher.
Auf der einen Seite finde ich die Sicherheitsvorkehrungen seltsam, aber irgendwie auch nicht. Vor einer Reise nach Mumbai wurde man nicht gewarnt, aber in anderen Teilen des Landes sind in der letzten Zeit Menschen gestorben wegen terroristischen Anschlaegen. Auf der einen Seite ist es weit weg, aber auf der anderen – warum sollte hier nichts passieren, schliesslich ist Mumbai eine Metropole. In der Zeitung erfaehrt man nicht viel, aber offenbar haben sie einen Verantwortlichen gefunden. Ich werde jedenfalls verfolgen, wie es weitergeht.

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