Eines Sonntagabends fuhr ich in Mönchengladbach zu einer Tankstelle, um danach nach Hause zu kurven. Ich war schon etwas müde und gähnte leise, während der Kraftstoff in meinen Wagen floss. Ich schaute mich um, aber die versprochenen Helfer waren nicht da. Das letzte Mal, als ich an dieser Tankstelle war, hat mir ein Angestellter die Scheiben gesäubert. Vor Kurzem gab es ja diese Werbung im Fernsehen, für die Kette mit der Muschel. Seufzend schloss ich mein Auto ab und ging rein, um zu bezahlen. Es war recht leer, ich entschied mich dagegen, eine Zeitung zu kaufen. Sowieso rausgeworfenes Geld, ich würde eh wieder vergessen sie zu lesen. Völlig in Gedanken ging ich an die Kasse und nannte dem Verkäufer die Nummer der Zapfsäule. Plötzlich strahlte er mich an und sagte etwas, ich verstand aber nichts, ich war wie gesagt in Gedanken. Mit einem mir eigenen charmanten “Hä? Was?” antwortete ich ihm. Er wiederholte, was er gesagt hatte. “Sie sind die Erste, die Bitte sagt.” Ich verstand immer noch nicht. “Nun, die meisten sagen nur die Nummer, aber Sie haben ‘Die Fünf, BITTE’ gesagt”. Ich verzog das Gesicht zu einem schrägen, verständnislosen Grinsen. “Ist das nicht eigentlich selbstverständlich?” murmelte ich. “Nein”, antwortete er, “seitdem ich hier arbeite, sind Sie die Erste. Danke sagt auch niemand.”
“Komisch”, sinnierte ich dann, “seit wann arbeiten Sie denn hier?” – “Seit mehr als einem Jahr.”
Das ist ja irgendwie traurig. Meine Eltern haben mir damals beigebracht, immer bitte und danke zu sagen. Ich überlegte mir, welche Leute denn dort tanken gehen. Geschäftsmänner mit dicken Mercedessen, junge Leute in Kleinwagen, Familienväter mit ihren Kombis. Und keiner sagt bitte? Der junge Mann an der Kasse tat mir irgendwie Leid. Er sagte selbst, “Das ist das Kreuz mit den Dienstleistern. Das sieht jeder als selbstverständlich an.” Im Grunde ist es das auch, aber das heißt doch nicht, dass man sich dafür nicht bedanken sollte.
Grübelnd und gedankenverloren fuhr ich nach Hause, mit einem vollen Tank.




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