Reisen in Mumbai

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Reisen in Mumbai ist, wie man es dreht und wendet, ein Abenteuer. Egal, ob man mit einer Riksha, dem Bus oder mit dem Zug fährt, als Europäer hat man Angst um Leib und Leben – oder man lacht sich kaputt. Hat jemand von euch schonmal versucht, in einer Riksha sich den Weg zu notieren? Nein? Ich schon. Und ich dachte ich hätte eine schöne Handschrift. Die Riksha buckelt wie ein Wildpferd auf vielen Straßen in Mumbai. Man sollte auch nicht die Tasche öffnen während der Fahrt, mit Pech könnte es sein, dass der Inhalt auf die Straße fällt. Und bei Regen könnte es sein, dass man von oben bis unten klatschnass wird, weil ein anderes Auto neben der Riksha durch eins der tiefen Löcher in der Straße fährt. Igitt, aber alles schon passiert. Blöd, wenn man grad auf dem Weg zum Büro ist.

Eine Riksha von innen

Aber man sollte nicht meckern, man sollte froh sein, überhaupt eine Riksha erwischt zu haben. Heute zum Beispiel haben wir eine halbe Stunde gewartet, bis eine Riksha bereit war, uns zum Büro zu fahren. Viele hatten einfach die Fahrt verweigert, weil die Strecke ihrer Meinung nach zu kurz ist. Laut Tageszeitung können solche Leute zu 100 Rupien Strafe verdonnert werden und sogar den Führerschein abgenommen kriegen. Manchmal wünsche ich mir einen Polizisten vor meinem Apartment. Aber in Indien ist es ja sowieso egal, ob man pünktlich ist oder nicht. Man sollte allerdings darauf achten, dass das Taxometer („Meter“) angestellt ist, und bei vorgeschlagenen Festpreisen immer nein sagen. Die sind nämlich immer (!) Wucher. Touristen werden halt gerne verarscht, aber die lieben Rikshafahrer haben nicht mit uns gerechnet. Sie wurden schon schallend von uns ausgelacht. Pech!

Am Wochenende haben wir uns an das nächste Abenteuer herangetraut, nämlich Zug fahren. Ihr kennt das sicher, schlimme Videos auf Youtube mit halb zerquetschten Leuten.

Naja, es war Sonntag, und es war nicht ganz so schlimm. Zur Rushhour würde ich sicher nicht mit dem Zug fahren wollen. Ich würde wahrscheinlich gar nicht erst die Treppe erreichen.

Bahnhof

Das Problem an der Sache mit dem Ein- und Aussteigen ist der, dass der Zug nur 30 Sekunden hält, egal an welchem Bahnhof. Es will natürlich jeder Hinein und vor allem Hinaus. Aus diesem Grund gibt es getrennte Abteile für Männer und Frauen, damit die lieben Mädels auch eine Chance haben, ihr Ziel zu erreichen. Trotzdem hatte ich ein ungutes Gefühl.

Der Zug kam, mit offenen Türen. Die Leute hängten sich an die Haltestangen im Zug, so dass sie mit dem Oberkörper schon draußen waren, damit sie die ersten sind, die raus können. Ich wurde an die Hand genommen und quasi in den Zug hineingezogen. Wir blieben an der offenen Tür stehen, da wir nur zwei Stationen fahren würden. Wir würden sonst nicht herauskommen. Ich musste mich an einer Stange, zwanzig Zentimeter über mir, festhalten.

Offene Tür im Zug

Eine Frau mir gegenüber, vollständig in schwarz gekleidet (man konnte nur die Augen sehen), kicherte, als sie mich sah, und ich grinste gequält. Die Reise war sehr aufregend, der Zug rüttelte und fuhr (meiner Meinung nach) ziemlich schnell. Ventilatoren hingen von der Decke, aber es waren solche, die man normalerweise auf den Tisch stellt, keine klassischen Deckenventilatoren. Mir war trotzdem heiß und ich schwitzte, wahrscheinlich auch vor Aufregung. Leute stiegen ein und aus und schubsten mich dabei aus Versehen.

Dann kam unsere Station und ich hielt unwillkürlich die Luft an. Denk dran, Ellbogen raus! Ich bin eigentlich kein Freund von körperlicher Gewalt… Bis eine alte Frau auf den Zug sprang und auf Hindi fluchte, schubste und versuchte an uns vorbeizukommen. Ich nahm allen meinen Mut zusammen und sprang, auf niemanden achtend, aus dem Zug. Als ich kapiert hatte, dass ich es geschafft habe, war der Zug auch schon weitergefahren.

Indien und die Sicherheit

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Schon in den ersten Tagen, die man in Indien verbringt, stellt man sich eine bestimmte Frage. Leiden die Leute hier unter Verfolgungswahn? Man kann nicht einmal McDonald’s betreten, ohne dass jemand in die Taschen schaut. Am Anfang fand ich das ziemlich laecherlich und wichtigtuerisch. Am jedem Eingang in eine Shoppingmall muss man durch einen Detektor treten, genau wie am Flughafen. Auch auf der Arbeit braucht man einen Ausweis, um reinzukommen, und es sind keine elektronischen Geraete erlaubt (einmal hatte ich eine Fotokamera dabei, das gab einen Aufstand!). Gerade bei uns „anders Aussehenden“ wird so gut wie immer der Ausweis kontrolliert, ich vermute, aus Neugierde. Na ja, im Buero verstehe ich ja noch, warum man keine Speichermedien mitnehmen darf, man koennte ja geheime Daten herausschmuggeln. Aber selbst mit einem USB-Hub darf man nicht in das Gebaeude. Naja, ich habe daraus gelernt und nehme nichts Elektronisches mehr mit, ausser mein Handy – obwohl dort auch eine Kamera eingebaut ist, und sogar eine Micro-SD-Karte. Das ist wiederum vollkommen okay. Unlogisch.
Die staendigen Kontrollen ueberall und in jeder Lebenslage mag ich nicht. Besonders das Wuehlen in meiner Handtasche. In Deutschland ist der Inhalt einer Damenhandtasche ein Mysterium, hier weiss so gut wie jeder, was drin ist. Ich habe mittlerweile den Inhalt meiner Tasche reduziert, das ist fast wie Seelenstriptease. Ein bisschen Privatsphaere bleibt mir dann doch noch. Einmal wurde ich sogar gefragt: „What’s this?“ – es war lediglich mein Portemonnaie, prall gefuellt mit zig Rupees – ich habe halt nie eine Ahnung, wieviel ich mitnehmen soll, es koennte ja doch noch eine Shoppingtour kommen (naja, wirklich viel ist es auch nicht, es sieht nur so aus, eine Rupie ist ja nicht viel wert!). Aber so gross, dass darin etwas versteckt sein koennte, war es nicht. Sie gab sich dann auch mit der Antwort zufrieden.
Morgens werden wir von einem Mann in Uniform (Security!) zum Trainingsraum begleitet. Er hat sogar eine Muetze an, die mich an irgendwas erinnert. Ich weiss nicht was es ist, aber ich muss immer grinsen. Man kommt sich dann auch selbst irgendwie wichtig vor und stolziert ihm hinterher.
Auf der einen Seite finde ich die Sicherheitsvorkehrungen seltsam, aber irgendwie auch nicht. Vor einer Reise nach Mumbai wurde man nicht gewarnt, aber in anderen Teilen des Landes sind in der letzten Zeit Menschen gestorben wegen terroristischen Anschlaegen. Auf der einen Seite ist es weit weg, aber auf der anderen – warum sollte hier nichts passieren, schliesslich ist Mumbai eine Metropole. In der Zeitung erfaehrt man nicht viel, aber offenbar haben sie einen Verantwortlichen gefunden. Ich werde jedenfalls verfolgen, wie es weitergeht.

Uff

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Habe gerade mein Abendessen vertilgt. Oh Mann. Was die Leute hier unter Prawns Sweet & Sour verstehen… Das Zeug ist so scharf, dass nach einer Schüssel plus Reis alles andere bitter schmeckt. Sogar die Cola. Und das Brot, dass ich zum Löschen mümmele. Holt die Feuerwehr! Wirklich, kein Scherz. Süßsauer ist bei uns alles andere als scharf, aber in Indien… Ich frage mich, ob sie das nicht richtig verstanden haben, was ich haben wollte. Aber Prawns waren drin (übrigens sehr lecker). Das Gericht an sich war auch gut, aber dann doch etwas zu „spicy“. Ich hatte gedacht, ich müsse nicht extra sagen, dass ich es „less spicy“ haben möchte. Pustekuchen.

Gestern hatte ich Chicken Chowmein, ich dachte eigentlich das wären gebratene Nudeln. In Wirklichkeit waren das Nudeln in einer ziemlich schleimigen Sauce. War lecker, und auch nicht scharf. Dazu gab es ein Schüsselchen mit Sojasauce und ein anderes mit einer rötlichen, sehr scharfen Sauce, die man hier sehr oft zum Essen bekommt. Vielleicht weiß ja einer der Leser hier, welche ich meine, und vielleicht wie sie heißt oder wie man sie sogar herstellt. Ich hatte leider keinen indischen Mit-Esser, der mir den Namen hätte sagen können.

Im Allgemeinen ist die Küche hier sehr abwechslungsreich. Ich denke ich könnte die 2 Monate jeden Tag etwas anderes essen, und jedesmal etwas völlig Neues probieren. Scharf angemachten Reis, Dal (Kichererbsenbrei), fritierte Körner usw… Dass ich keine Kokosnuss mag, ist hier egal, obwohl schonmal gerne Kokosnusssauce auf den Tisch kommt. Es gibt genug Alternativen. Ich hoffe, ich kann etwas davon mit nach Hause nehmen, vielleicht ein entsprechendes Kochbuch oder so. Frage ist natürlich, ob man in Deutschland die geforderten Gewürze bekommt.

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