Ich war noch gar nicht fertig mit meinem Erfahrungsbericht Indien. Ich bin nun schon seit zwei Monaten wieder in Deutschland, aber ich habe einen Artikel immer vor mir hergeschoben. Ich war vielleicht nicht bereit dafür. Aber ich denke, so langsam wird es Zeit.
Es ist Ende September, und eigentlich freue ich mich schon auf den Rückflug. Das Klima macht mir zu schaffen. Seit ein paar Tagen fühle ich mich seltsam. Erst dachte ich, es ist eine Erkältung ohne Schnupfen. Ich kann mich kaum auf den Beinen halten. Mir ist schwindlig und übel, gehe aber trotzdem zur Arbeit. Eines Abends allerdings bin ich total fertig, ich gehe nicht mehr raus und habe Angst, mir irgendeine Tropenkrankheit eingefangen zu haben. Wer weiß, welch seltsame Viren hier durch die heiße Luft schweben. Ich rufe Peter an, der sofort vorbeikommt. Es ist 22.00 Uhr. Er schlägt mir vor, dass ich Seema anrufen sollte. Mir ist so komisch, dass ich sie am Telefon kaum verstehe. Aha, offensichtlich verschlechtert sich auch mein Englisch, wenn ich krank bin. Unter Tränen brülle ich sie an, natürlich unbeabsichtigt. Sie sagt, ich soll Shaan anrufen, dass er vorbeikommt. Jemanden im Krankenhaus zu haben, der Hindi spricht, kann durchaus von Vorteil sein. Peter ruft Shaan an, wir wollen uns im Krankenhaus treffen. Gehen kann ich, aber nur langsam. Peter nimmt mir meine Tasche ab, obwohl ich sie nur ungern abgebe. Solange er nicht versucht mich zu stützen ist alles okay. Wir fahren mit einer Riksha, wir sind froh, dass wir schnell eine bekommen. Die Fahrt kommt mir ewig vor. Die Riksha wird ordentlich durchgeschüttelt, und mir wird wieder schlecht. Schließlich halten wir vor der Notaufnahme. Ich bezahle. Auf wackligen Beinen stehe ich dann da, um mich anzumelden. Shaan redet mit der Schwester. Ich sehe mich um. Die Wände sind gelblich gestrichen, überall hängen Vorhänge vor schmalen Betten. Ein Baby weint. Soweit ich das erkennen kann, ist es ziemlich voll. Die Schwester bedeutet mir, mich auf eins der freien Betten zu setzen. Ich sehe sofort den großen Blutfleck, der darauf eingetrocknet ist. Ich setze mich daneben, darauf bedacht, ihn nicht zu berühren. Nach einer Weile kommt der Arzt. Er sieht vertrauenserweckend aus. Ich gebe ihm das Notizbuch, auf dem ich auf Englisch notiert habe, welche Beschwerden ich habe. Einiges hatte ich im Online-Wörterbuch nachschauen müssen. Er spricht größtenteils mit Shaan, auf Englisch. Dann bedeutet er mir, mich auf ein anderes Bett zu legen, weil er den Blutfleck gesehen hat. Dann lässt er mich allein. Schwestern kommen, messen Fieber und den Blutdruck. Später wird mir eine Infusion gelegt, von drei Schwestern gleichzeitig. Es tut so weh! Ich beiße mir auf die Lippen. Ich glaube nicht, dass ich meine Hand noch weiter gebrauchen kann. Peter geht weg und kümmert sich um den Papierkram, Shaan bleibt bei mir und macht Fotos und ein Video von mir, wie ich am Tropf liege, um mich aufzuheitern. “Damit du zu Hause zeigen kannst, wie tapfer du bist!”, so sein Kommentar dazu. Er bringt mich tatsächlich zum Lachen. Der Tropf ist wohl zu langsam, jedenfalls ist er erst nach drei Stunden durchgelaufen. Es handelt sich um gelöste Dextrose, um mich aufzupäppeln. Ich habe ja seit Tagen kaum etwas gegessen, und wenn, konnte ich es nicht bei mir behalten. Der Arzt sagt, es liegt am Klima. Ich vertrage es einfach nicht. Ich bin eben eine schwache Europäerin. Der Bluttest hat gezeigt, dass ich kein Malaria habe. Er gibt mir einige Tabletten mit. Ich fühle mich besser, durch die Energiezufuhr. Ich kann deshalb kaum schlafen.
Zwei Tage später werden meine Beine und Füße rot und schmerzen. Was ist bloß los? Ich bekomme Panik. Im Internet suche ich nach dem Namen der Tabletten. Bei einer Sorte werde ich fündig; diese Tabletten sind sehr stark und können toxisch sein. Und sie haben schmerzende Gliedmaßen als Nebenwirkung. Ich setze die Tabletten ab, meine Beine tun aber weiter weh. Abends fahre ich wieder mit Peter zum Krankenhaus und nehme meine Krankenakte mit. Ich bekomme eine Spritze (in dieselbe Stelle wie die Infusion) und andere Tabletten. 4 Tage werde ich krank geschrieben.
Und heute erinnert mich immer noch ein großer, schmerzender blauer Fleck auf meiner Hand an dieses Erlebnis. Ich vermute, dass durch die Infusion Gewebe verletzt wurde. Ich habe nicht die Muße, zum Arzt zu gehen.
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