Der weiße Streifen

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Gestern hatten wir ziemliches Pech. Keine Riksha wollte uns mitnehmen. Military Road? No! Man fragt sich dann schon, warum. Zu kurzer Weg? Zu viele Löcher in der Straße? Ist diese Straße zu wenig bekannt? Oder wollen sie uns nur ärgern, weil wir (immer noch) wie Touristen aussehen, gegen unsere ungewöhnliche Hautfarbe können wir ja nichts ausrichten… Vielleicht war es auch eine Mischung aus allem. Ich befürchtete schon –
“Wollen wir zu Fuß gehen?”
… Ja genau das. Ich hasse es, bei Hitze herumzurennen. Aber was solls. Man will sich ja nicht wie ein Schwächling benehmen. Also tappsten wir los, an der Straße entlang. Mein Kollege war meistens zu schnell, aber mir war das egal. Bei der nächsten Menschenansammlung (die es hier überall gibt, ich frage mich, was diese Leute da tun…) würde er sowieso warten müssen. Glücklicherweise regnete es nicht, und meine Füße taten ausnahmsweise auch nicht weh. Nur die Harten kommen in den Garten, das schien mein Körper mittlerweile zu kapieren. Zwischendurch drehte ich mich um, in der Hoffnung, dass ein Rikshafahrer uns freiwillig mitnehmen und überall hin bringen wollen würde – nun, das ist wohl zuviel verlangt. Wir erreichten die Brücke, die über Slums und riesige Pipelines führte. Wir gingen über den weißen Seitenstreifen, ganz am Rand der Brücke. Einen Bürgersteig gab es nicht. Unwillkürlich musste ich an meine Mutter denken, die das bestimmt für gefährlich halten würde. Damit hätte sie nicht ganz unrecht, wenn man bedenkt, in welchem Tempo die Rikshas vielleicht 30 Zentimeter entfernt vorüberrauschten (natürlich ohne die armen “Touris” mitzunehmen). Wir hörten eine männliche Stimme singen. Was er sang, konnten wir nicht verstehen. Ich nehme an, es handelte sich um einen Muezzin, der zum Gebet rief. Das hatte etwas Meditatives, auf den Streifen auf der Straße zu starren, ab und zu den roten Spuckeflecken auszuweichen und dazu dem Gesang zu lauschen. Auf der anderen Seite der Brücke saßen Menschen auf der Brüstung und lachten. Warum sie das taten, weiß ich nicht. Ein weiteres Geheimnis in meiner Geschichte. Langsam wurde es dunkel, und wir begegneten immer mehr Leuten. Wir gingen über den “Markt” – den “Garagenverkäufen”, wie mein Kollege sie nennt. Das Obst und Gemüse, das dort angeboten wurde, sah schon vor dem Verkauf gammlig aus. Einmal hatte ich Bananen gekauft, aber die habe ich später allesamt weggeschmissen.
Als wir nach einer halben Stunde am Apartmenthaus ankamen, war ich richtig stolz auf mich. Auch mein Kollege sagte, mein Tagespensum fürs Herumlatschen wäre für heute für mich erledigt. Mein Hobby wirds jedenfalls nicht.

3 Responses to “Der weiße Streifen”

  1. 1
    Fionas Says:

    Rumlatschen ist immer zu etwas gut und sei es nen tollen Singsang zu hören ;) Nur seltsam das euch keine Rikscha mitnehmen wollte. Ihr hättet euch nur mehr bemerkbar machen müssen.

  2. 2
    HappyKerky Says:

    Nicht wirklich … Sie haben ja mit uns geredet, also uebersehen haben sie uns nicht ;-)

  3. 3
    Daniela Says:

    War das gegen 20Uhr? Dann ist Schichtwechsel und es ist immer schwer, eine Rickshaw zu finden. Will man nicht in die Richtung, in die sie muessen, um ihre Rickshaw abzugeben, nehmen sie einen nicht mit.

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