Nach anderthalb Monaten in Mumbai ist es längst Zeit, das Nachtleben zu checken. Bisher haben wir zwei Club Bars ausprobiert, das MYST und Cafe Escape. Beide liegen ziemlich nah beieinander, nämlich auf der gleichen Straße, in der Nähe der Infiniti Mall in Andheri (W).
Im Myst ist es sehr dunkel, einmal hatten wir Stromausfall und wir hätten es nicht gemerkt, wenn sonst keine Musik laufen würde. Die Musik ist schön laut und größtenteils angenehm. Naja, zuviel Techno kann auch mal passieren, aber solange dazwischen Justin Timberlake, Nelly Furtado und Timbaland laufen geh ich gerne dahin. Das Essen dort ist super, ziemlich international. Ich habe die Pasta sehr genossen. Ja, wenn man einen Monat keine Pasta mehr gegessen hat, vermisst man sie irgendwann.
Im Club Escape waren wir gestern. Er war wie man sich einen Club vorstellt, in einem Hinterhof, mit dick gepolsterten Wänden, einem DJ und einer kleinen Tanzfläche, hell beleuchtet von Spots und sich bewegenden Lichtern und Lichtspielen. Ab und zu wurde auch die Nebelmaschine angestellt. Die Musik reichte von R’n'B bis Techno, Hindi und Englisch. Ich wurde nach kurzer Zeit zum Tanzen aufgefordert, von wildfremden Leuten, und es machte eine Menge Spaß. Naja, ich hatte auch einiges getrunken, und mir war völlig egal, wie ich aussehe, wenn ich wie blöde herumhüpfe. Um 1.30 Uhr war leider schon Schluss, da holte uns die Wirklichkeit wieder ein … Ach ja, stimmt ja, wir sind ja in Indien… Zehn Minuten später stand die Polizei vor der Tür, und wir waren ziemlich glücklich darüber, dass wir schon draußen waren. Und wir wurden seltsamerweise nicht vom Rikshafahrer verarscht.
Ein Gespräch zwischen mir (K) und meiner indischen Freundin (S), beide sitzen auf Stühlen in einer Bank und langweilen sich. Ich beobachte die Leute.
S: “Was machst du da?”
K: “Ich beobachte die Leute.”
S: “Ach ja? Wen denn zum Beispiel?”
K (zu einem Mann in einem weißen Schlafanzug nickend): “Na den da. Der sieht aus als hätte er einen Pyjama an.”
S: “Das IST ein Pyjama. Das ist die typische indische Kleidung für Männer…”
Ähm, ja. Ihr Männers, freut euch schon, ich bring euch Schlafanzüge mit
Gestern hatten wir ziemliches Pech. Keine Riksha wollte uns mitnehmen. Military Road? No! Man fragt sich dann schon, warum. Zu kurzer Weg? Zu viele Löcher in der Straße? Ist diese Straße zu wenig bekannt? Oder wollen sie uns nur ärgern, weil wir (immer noch) wie Touristen aussehen, gegen unsere ungewöhnliche Hautfarbe können wir ja nichts ausrichten… Vielleicht war es auch eine Mischung aus allem. Ich befürchtete schon –
“Wollen wir zu Fuß gehen?”
… Ja genau das. Ich hasse es, bei Hitze herumzurennen. Aber was solls. Man will sich ja nicht wie ein Schwächling benehmen. Also tappsten wir los, an der Straße entlang. Mein Kollege war meistens zu schnell, aber mir war das egal. Bei der nächsten Menschenansammlung (die es hier überall gibt, ich frage mich, was diese Leute da tun…) würde er sowieso warten müssen. Glücklicherweise regnete es nicht, und meine Füße taten ausnahmsweise auch nicht weh. Nur die Harten kommen in den Garten, das schien mein Körper mittlerweile zu kapieren. Zwischendurch drehte ich mich um, in der Hoffnung, dass ein Rikshafahrer uns freiwillig mitnehmen und überall hin bringen wollen würde – nun, das ist wohl zuviel verlangt. Wir erreichten die Brücke, die über Slums und riesige Pipelines führte. Wir gingen über den weißen Seitenstreifen, ganz am Rand der Brücke. Einen Bürgersteig gab es nicht. Unwillkürlich musste ich an meine Mutter denken, die das bestimmt für gefährlich halten würde. Damit hätte sie nicht ganz unrecht, wenn man bedenkt, in welchem Tempo die Rikshas vielleicht 30 Zentimeter entfernt vorüberrauschten (natürlich ohne die armen “Touris” mitzunehmen). Wir hörten eine männliche Stimme singen. Was er sang, konnten wir nicht verstehen. Ich nehme an, es handelte sich um einen Muezzin, der zum Gebet rief. Das hatte etwas Meditatives, auf den Streifen auf der Straße zu starren, ab und zu den roten Spuckeflecken auszuweichen und dazu dem Gesang zu lauschen. Auf der anderen Seite der Brücke saßen Menschen auf der Brüstung und lachten. Warum sie das taten, weiß ich nicht. Ein weiteres Geheimnis in meiner Geschichte. Langsam wurde es dunkel, und wir begegneten immer mehr Leuten. Wir gingen über den “Markt” – den “Garagenverkäufen”, wie mein Kollege sie nennt. Das Obst und Gemüse, das dort angeboten wurde, sah schon vor dem Verkauf gammlig aus. Einmal hatte ich Bananen gekauft, aber die habe ich später allesamt weggeschmissen.
Als wir nach einer halben Stunde am Apartmenthaus ankamen, war ich richtig stolz auf mich. Auch mein Kollege sagte, mein Tagespensum fürs Herumlatschen wäre für heute für mich erledigt. Mein Hobby wirds jedenfalls nicht.
Letzten Samstag hatte ich meinen ersten Unfall. Die Bremsen der Riksha hatten versagt und wir sind mit Karacho in ein Stauende gerast. Mit Wucht sind wir (Seema und ich) gegen die Stange gedrückt worden, die sich über der Abgrenzung von Fahrer und Passagieren befindet. Das Ergebnis waren üble Blutergüsse (blaue Flecke konnte man die nicht mehr nennen) auf und unter den Knien. Seema sagte, das wäre ihr erster Verkehrsunfall gewesen – ich war erstaunt. Ich hatte irgendwie schon gewusst, dass ich eines Tages Opfer eines Verkehrsunfalls in Indien sein würde. Wir krabbelten wie betäubt aus dem verbogenen Gefährt und suchten uns einen Weg aus der Menge von Schaulustigen, die sich um uns herum gebildet hatte. Wir kümmerten uns nicht um den Fahrer, der schon angefangen hatte, sich mit dem anderen Rikshafahrer (dessen Karre auch nicht gut aussah nach dem Unfall) zu streiten. Später schämte ich mich, er musste die größten Blessuren davongetragen haben. Ein Schock macht wohl jeden zu einem Egoisten. Ich war nur froh, dass Seema auch nicht schlimmer verletzt war als ich. Wir bezahlten die Fahrt nicht.
Es hätte Schlimmeres passiert sein können, denn vor dem Unfall schwankte die Riksha wie ein Schiff auf hoher See, ich hatte Angst, dass sie umkippt.
Nach einer knappen Woche sieht das linke Knie nicht besser aus, eine weinrote Landkarte. Kein Wunder, an dem Abend wurde es noch weiter gequält, erst durch eine prall gefüllte Einkaufstüte, und dann durch zu gut funktionierende Rikshabremsen. Ich hätte nie gedacht, dass meine Oberschenkelknochen mal zu lang wären für irgendeinen Zweck. Von Beinfreiheit kann man nämlich in den kleinen Karren nämlich nicht sprechen.
Neulich habe ich ein tolles Spiel im Internet gefunden: Klick mich!
Dort kann man super eigene indische Musik komponieren.
Wenn wir mit der Riksha fahren, freuen wir uns immer, wenn Lautsprecher innen eingebaut sind. Es gibt nichts Tolleres, als mit exotischen Klängen durch eine exotische Stadt zu fahren. Ich würde sagen, meistens ist es traditionelle Musik gemischt mit Pop. Dieses Wochenende werde ich mich mal in einen Musikladen begeben, um ein oder zwei CD’s zu kaufen. Ich habe extra gefragt, wo man direkt mal reinhören kann, damit ich nicht die Katze im Sack kaufen muss. Indische Musik gefällt mir sehr. Ich denke, man kann auch super dazu tanzen, ist aber halt nix zum Mitsingen, weil man die Sprache nicht versteht. Bei meinem neuen Kochbuch ist eine CD dabei, mit traditionellen Stücken, bei denen man nicht genau weiß ob sie einem gefällt oder nicht. Aber für einen indischen Abend mit nem leckeren Essen und so muss sowas sicher auch sein.
Reisen in Mumbai ist, wie man es dreht und wendet, ein Abenteuer. Egal, ob man mit einer Riksha, dem Bus oder mit dem Zug fährt, als Europäer hat man Angst um Leib und Leben – oder man lacht sich kaputt. Hat jemand von euch schonmal versucht, in einer Riksha sich den Weg zu notieren? Nein? Ich schon. Und ich dachte ich hätte eine schöne Handschrift. Die Riksha buckelt wie ein Wildpferd auf vielen Straßen in Mumbai. Man sollte auch nicht die Tasche öffnen während der Fahrt, mit Pech könnte es sein, dass der Inhalt auf die Straße fällt. Und bei Regen könnte es sein, dass man von oben bis unten klatschnass wird, weil ein anderes Auto neben der Riksha durch eins der tiefen Löcher in der Straße fährt. Igitt, aber alles schon passiert. Blöd, wenn man grad auf dem Weg zum Büro ist.
Aber man sollte nicht meckern, man sollte froh sein, überhaupt eine Riksha erwischt zu haben. Heute zum Beispiel haben wir eine halbe Stunde gewartet, bis eine Riksha bereit war, uns zum Büro zu fahren. Viele hatten einfach die Fahrt verweigert, weil die Strecke ihrer Meinung nach zu kurz ist. Laut Tageszeitung können solche Leute zu 100 Rupien Strafe verdonnert werden und sogar den Führerschein abgenommen kriegen. Manchmal wünsche ich mir einen Polizisten vor meinem Apartment. Aber in Indien ist es ja sowieso egal, ob man pünktlich ist oder nicht. Man sollte allerdings darauf achten, dass das Taxometer (“Meter”) angestellt ist, und bei vorgeschlagenen Festpreisen immer nein sagen. Die sind nämlich immer (!) Wucher. Touristen werden halt gerne verarscht, aber die lieben Rikshafahrer haben nicht mit uns gerechnet. Sie wurden schon schallend von uns ausgelacht. Pech!
Am Wochenende haben wir uns an das nächste Abenteuer herangetraut, nämlich Zug fahren. Ihr kennt das sicher, schlimme Videos auf Youtube mit halb zerquetschten Leuten.
Naja, es war Sonntag, und es war nicht ganz so schlimm. Zur Rushhour würde ich sicher nicht mit dem Zug fahren wollen. Ich würde wahrscheinlich gar nicht erst die Treppe erreichen.
Das Problem an der Sache mit dem Ein- und Aussteigen ist der, dass der Zug nur 30 Sekunden hält, egal an welchem Bahnhof. Es will natürlich jeder Hinein und vor allem Hinaus. Aus diesem Grund gibt es getrennte Abteile für Männer und Frauen, damit die lieben Mädels auch eine Chance haben, ihr Ziel zu erreichen. Trotzdem hatte ich ein ungutes Gefühl.
Der Zug kam, mit offenen Türen. Die Leute hängten sich an die Haltestangen im Zug, so dass sie mit dem Oberkörper schon draußen waren, damit sie die ersten sind, die raus können. Ich wurde an die Hand genommen und quasi in den Zug hineingezogen. Wir blieben an der offenen Tür stehen, da wir nur zwei Stationen fahren würden. Wir würden sonst nicht herauskommen. Ich musste mich an einer Stange, zwanzig Zentimeter über mir, festhalten.
Eine Frau mir gegenüber, vollständig in schwarz gekleidet (man konnte nur die Augen sehen), kicherte, als sie mich sah, und ich grinste gequält. Die Reise war sehr aufregend, der Zug rüttelte und fuhr (meiner Meinung nach) ziemlich schnell. Ventilatoren hingen von der Decke, aber es waren solche, die man normalerweise auf den Tisch stellt, keine klassischen Deckenventilatoren. Mir war trotzdem heiß und ich schwitzte, wahrscheinlich auch vor Aufregung. Leute stiegen ein und aus und schubsten mich dabei aus Versehen.
Dann kam unsere Station und ich hielt unwillkürlich die Luft an. Denk dran, Ellbogen raus! Ich bin eigentlich kein Freund von körperlicher Gewalt… Bis eine alte Frau auf den Zug sprang und auf Hindi fluchte, schubste und versuchte an uns vorbeizukommen. Ich nahm allen meinen Mut zusammen und sprang, auf niemanden achtend, aus dem Zug. Als ich kapiert hatte, dass ich es geschafft habe, war der Zug auch schon weitergefahren.
When I go home in some time, I will miss many things. I will miss the Riksha drivers refusing to take me somewhere because it is raining, there are too many potholes or the journey would be too short. I will miss the buses, hopelessly crowded with people, with advertisements on the sides for Java trainings. I will miss the dogs on the roads, which seem to be totally unterrified of the traffic and the people. I would like to have such a dog as a pet. I think they are very cute. I will miss the diversified Indian food – I have never tasted so many different things in such a short time. I will miss the strange habits I have read about in books, and then I came here to experience that most of them are true… And after all, I will miss the people. Some of them are just staring; others have a sunny smile and ask for my name. They always ask the same questions like “Where do you come from?” and “Do you enjoy your stay in India?” I will also miss the gesture to say “Yes” – a rolling gesture with the head, which would mean “Well, I don’t know” in Germany. When I came here, I did not recognize the gesture as anything and waited for a nod although I have been warned before by my aunt. Many people try to help when there are some problems, for example with catching a “Rik”. After some time, a crowd of people are standing next to you, watching the map you have unfurled and give some hints for your trip. The people here seem to be very happy if you say “Namaste” instead of “Hello” – but I have not managed to learn Hindi properly yet. I just can’t pronounce the words. People are giggling if I try. Yesterday I heard “I like your pronunciation of that word, say it again” – well, see… I think it is as hard as learning Chinese.
My friends and family at home in Germany are promising things when they talk / chat / sms with me. “I will make some French fries and fish fingers when you come home”, “Do you want a steak in our favorite restaurant?”, “We will have a barbeque”, and “Let’s go eat some ice cream when you come”. Yes, it’s all about food. There are some things I miss here, but I believe, if I go home to Germany, I will miss the “real” Indian food as well. There is just one Indian restaurant in my hometown in Germany, I have been there with my friend Nina a few years ago and we did not like it. The food was ok but… well; we did not like the atmosphere there. There was an odd guest shouting “This is not an Indian curry” (In English!). The waiter answered politely, “We can talk German also, you do not need to talk in English” and threw him out of the restaurant. We never went there again.
I will miss the Indian dresses also. Indian girls look very proud and self-confident if they wear a saree or the other thing which name I have already forgotten (Salwar Kamiz? That is what I found in Wikipedia…). I tried to fit some of those suits, but there was nothing in my size, which made me sad. I try to lose weight, but I don’t think I will manage to lose so much in such a short time (I don’t even think this would be healthy). So I am going to look for something for “big girls”. I hope there is any…
There are some things I don’t like, of course, like the climate and the impossibility to cross the road in the mornings because there is so much traffic. But those are just small things you can bear pretty easily. I will miss India, and the people there. I hope I will stay in contact with my Indian friends and will come back to India sometime.
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