Indien und die Sicherheit

Erfahrungen Kommentieren

Schon in den ersten Tagen, die man in Indien verbringt, stellt man sich eine bestimmte Frage. Leiden die Leute hier unter Verfolgungswahn? Man kann nicht einmal McDonald’s betreten, ohne dass jemand in die Taschen schaut. Am Anfang fand ich das ziemlich laecherlich und wichtigtuerisch. Am jedem Eingang in eine Shoppingmall muss man durch einen Detektor treten, genau wie am Flughafen. Auch auf der Arbeit braucht man einen Ausweis, um reinzukommen, und es sind keine elektronischen Geraete erlaubt (einmal hatte ich eine Fotokamera dabei, das gab einen Aufstand!). Gerade bei uns „anders Aussehenden“ wird so gut wie immer der Ausweis kontrolliert, ich vermute, aus Neugierde. Na ja, im Buero verstehe ich ja noch, warum man keine Speichermedien mitnehmen darf, man koennte ja geheime Daten herausschmuggeln. Aber selbst mit einem USB-Hub darf man nicht in das Gebaeude. Naja, ich habe daraus gelernt und nehme nichts Elektronisches mehr mit, ausser mein Handy – obwohl dort auch eine Kamera eingebaut ist, und sogar eine Micro-SD-Karte. Das ist wiederum vollkommen okay. Unlogisch.
Die staendigen Kontrollen ueberall und in jeder Lebenslage mag ich nicht. Besonders das Wuehlen in meiner Handtasche. In Deutschland ist der Inhalt einer Damenhandtasche ein Mysterium, hier weiss so gut wie jeder, was drin ist. Ich habe mittlerweile den Inhalt meiner Tasche reduziert, das ist fast wie Seelenstriptease. Ein bisschen Privatsphaere bleibt mir dann doch noch. Einmal wurde ich sogar gefragt: „What’s this?“ – es war lediglich mein Portemonnaie, prall gefuellt mit zig Rupees – ich habe halt nie eine Ahnung, wieviel ich mitnehmen soll, es koennte ja doch noch eine Shoppingtour kommen (naja, wirklich viel ist es auch nicht, es sieht nur so aus, eine Rupie ist ja nicht viel wert!). Aber so gross, dass darin etwas versteckt sein koennte, war es nicht. Sie gab sich dann auch mit der Antwort zufrieden.
Morgens werden wir von einem Mann in Uniform (Security!) zum Trainingsraum begleitet. Er hat sogar eine Muetze an, die mich an irgendwas erinnert. Ich weiss nicht was es ist, aber ich muss immer grinsen. Man kommt sich dann auch selbst irgendwie wichtig vor und stolziert ihm hinterher.
Auf der einen Seite finde ich die Sicherheitsvorkehrungen seltsam, aber irgendwie auch nicht. Vor einer Reise nach Mumbai wurde man nicht gewarnt, aber in anderen Teilen des Landes sind in der letzten Zeit Menschen gestorben wegen terroristischen Anschlaegen. Auf der einen Seite ist es weit weg, aber auf der anderen – warum sollte hier nichts passieren, schliesslich ist Mumbai eine Metropole. In der Zeitung erfaehrt man nicht viel, aber offenbar haben sie einen Verantwortlichen gefunden. Ich werde jedenfalls verfolgen, wie es weitergeht.

Ein Kommentar zu “Indien und die Sicherheit”

  1. Tiladun Ryuutsuki schreibt:

    Ich glaube, ich kann sie gut verstehen, warum sie immer alles kontrolieren. Das gefahr ist viel zu gross ­čÖü Leider ist der Rest der Welt nicht so friedlich wie Europa. Und sogar in Teile Europas immer noch Bomben hochgehen ­čÖü Deutschland ist friedliches Land. Manchmal merken wir es ├╝berhaupt nicht wie viel Gl├╝ck wir haben.

Kommentieren

WP Theme & Icons by N.Design Studio. Indified by IndiBlogger.in.Translated into German by David Sallge.
RSS-Feed zu den Einträgen RSS-Feed zu den Kommentaren Anmelden