Land unter

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Hatte ich nicht am Anfang gesagt, ich würde den Regen vermissen? Den sogenannten “Monsun”? Nur ein paar Schauer hier und da, nichts Ernstes. Jaja. Vier Tage lang hats geregnet. Sonntagabend war es sogar schwierig, mit der Riksha nach dem Kino nach Hause zu kommen. Die Straßen waren überflutet, und das klapprige Gefährt ist zweimal stehengeblieben wegen Wasser im Motor. Und das quasi mitten in der Nacht. Zu allem Überfluss gab es eine Bombenwarnung; in anderen indischen Städten waren schon Bomben hochgegangen, es gab einige Tote, und eine anonyme Email warnte vor einem Anschlag auf Mumbai. Als ich so in der Riksha saß und die Wellen beobachtete, die romantisch gegen die Autos klatschten, bekam ich es mit der Angst zu tun. Es kam kaum einer vorwärts, die Straßen waren voll mit Autos und vor allem Wasser. Gullis sprudelten über. Und der Regen hörte nicht auf. Ich war froh, als ich eine gefühlte Ewigkeit später beim Apartment ankam. Dort war seltsamerweise nichts überflutet, naja, es gibt genug Löcher im Boden dort, durch die das Wasser sickern kann.
Richtig interessant wurde es erst am Montag, als wir mittags versuchten, irgendwo ein Restaurant zu finden. Zu Fuß. Es regnete wieder in Strömen. Meine Regenjacke nutzte nicht mehr viel. Es dauerte nicht lange, da war meine schwarze Anzughose durchnässt. Kein Wunder, ich watete durchs knietiefe Wasser. Ich war froh, dass ich Sandalen und keine Gummistiefel anhatte. Irgendwie machte uns das ungewollte Bad Spaß, aber irgendwann war ich auch ziemlich erschöpft. Meine nassen Füße rutschten in den Sandalen hin und her, besonders aber nach vorne, so dass meine kleinen Zehen ziemlich gestaucht wurden. Ich hinkte den anderen hinterher. Eigentlich wollten wir eine Riksha herbeirufen, aber keiner hielt an. Irgendwann fanden wir ein feines Fischrestaurant. Völlig durchnässt, wie wir waren, setzten wir uns an den Tisch. Der Kellner verzog keine Miene. Unter dem Tisch bildete sich ein Teich, die stoffbespannten Stühle wurden dunkel vor Nässe. Ein Mann wischte die Tropfen auf, die wir hinterlassen hatten, als wir zum Tisch gegangen waren, ebenfalls scheinbar völlig ungerührt. Wir froren schrecklich, weil die Klimaanlage an war. Ein Kellner kam mit einem Teller mit Fischen, die ich noch nie im Leben gesehen hatte. Hering würde man hier also nicht bekommen. Ein anderer Kellner zeigte uns eine Krabbe, die lebendig an einer Schnur hing und mit den Scheren klapperte. Sie war echt. Ich hasste das Geräusch, dass sie von sich gab. Ich drehte mich schnell wieder zum Tisch um. Wir bestellten Reis mit Shrimps und Tigerprawns in Sauce. Das Essen war toll, allerdings kam ständig ein Kellner, um uns noch etwas Reis auf den Teller zu schaufeln, eine Flasche Wasser wie einen alten Wein zu präsentieren oder uns nachzuschenken. Wir drei fanden das ziemlich nervig. Und etwas wehmütig dachte ich daran, dass ich gleich schon wieder durchs Wasser laufen musste. Der Regen hörte immer noch nicht auf, und keine Riksha ließ sich blicken. Also liefen wir wieder zu Fuß los, wir würden zu spät zum Training kommen. Zum Glück hatten wir eine Ausrede.

One Response to “Land unter”

  1. 1
    Haramis Says:

    Es kann auch zu viel regnen …

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