Flug und Ankunft

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Während der Fahrt zum Flughafen musste ich oft schlucken. Jetzt sollte es losgehen. Meine Eltern und mein Bruder kamen mit. Während der Fahrt bat ich meinen Vater, anzuhalten um zu gucken ob mein Reisepass auch wirklich da sei. Wenn ich sehr nervös bin, und das war ich, schaue ich mich immer um ob ich nicht etwas verloren habe. Der Reisepass war da. Nach etwa 2 Stunden Fahrt waren wir auch schon da. Der Frankfurter Flughafen ist groß, wenn nicht riesig. Ich machte mir Sorgen meinen Kollegen nicht zu finden. Ich machte mir eigentlich über alles Sorgen. Und das unbegründet, wie sich schließlich herausstellen sollte. Der Kollege kam und erkannte mich gleich, der Koffer wurde nicht beanstandet (22,5kg) und wir bekamen beide einen „Upgrade“ und durften in der Businessclass mitfliegen (am Anfang war die Rede davon dass wir eventuell gar keinen Sitzplatz bekämen, aber wir machten auf wichtig und „Das ist mein Kollege“ und „Wir brauchen diesen Flug unbedingt!“). Beharrlichkeit siegt. Und die Businessclass (die in einer Boeing 747 gleichgestellt ist mit der First Class) ist wirklich sehr komfortabel. Zwei Essen mit drei Gängen (beim Abendessen war ich immer noch satt), so viele Filme schauen wie man will, Platz satt… Ich glaube ich möchte nie wieder 2. Klasse fliegen ;) Der Blick auf Mumbai bei Nacht war atemberaubend. Mir stand der Mund offen. Ich konnte nicht glauben, dass ich tatsächlich in ein paar Minuten dort landen würde. Aber doch, das tat ich, nach ein paar Komplikationen (kam mir jedenfalls so vor). Es regnete nicht. Es war allerdings schwülheiß. Am Kofferband schwitzte ich furchtbar, vor Angst der Koffer könnte verlorengegangen sein und wegen der Hitze. Ich konnte kaum atmen. Als wäre zu wenig Sauerstoff in der Luft. Zigmal wurden die Ausweise kontrolliert. Ein Schild wies später daraufhin, dass ab jetzt keine Checks mehr kämen. Wie beruhigend. Das Schild log aber. Mein Kollege wurde von einem Securitytypen angehalten auf dem Weg nach draußen. Ich verstand so gut wie nichts, obwohl mein Englisch eigentlich okay ist. Der Akzent des Mannes war so stark, dass mein Kollege ihn darum bat, langsamer und immer langsamer zu sprechen. Glücklicherweise kam unser Fahrer und erlöste uns, irgendwie hatte ich das Gefühl der Mann wollte meinen Kollegen verschleppen – er sollte die Koffer stehenlassen und mit ihm gehen. Warum auch immer. Unser Fahrer grinste breit und sprach anfangs nur mit meinem Kollegen, um sich dann später nach mir umzudrehen, um zu fragen: „Who is this?“ Ich glaube er fragte meinen Kollegen, und war verwundert, dass ich selbst antwortete. Warum sollten Frauen auch Englisch können… Na ja ich machte das Beste draus. Das Auto war ein Geländewagen mit Vorhängen an den Fenstern. Erinnerte ein bisschen an ein Hippie-Auto. Ich stieg hinten ein, ein Fehler – ein Anschnallgurt ohne Befestigungsmöglichkeit. Ich dachte darüber nach, ob ich ihn darauf ansprechen sollte, damit er vorsichtiger fährt, ließ es aber, als er über eine rote Ampel fuhr. Die Straßen waren unglaublich kaputt, teilweise kam der Wagen kaum vorwärts. Hunde liefen frei auf der Straße herum und wurden fast platt gefahren. Es war halb drei Ortszeit, es war aber trotzdem brechend voll. Das Apartmenthaus war allerdings in einer ruhigen Straße, die schrecklich kaputt und dreckig war. Ich war dennoch froh, angekommen zu sein. Mein Kollege zögerte bei seiner Unterschrift, um die Schlüssel zu bekommen. „Ich bin Linkshänder“, sagte er später, na ja, da sind wir schon zwei. Er gab dem Fahrer die Hand, und ich hielt ihm auch die Hand hin (ja, ich weiß, das tut man nicht, aber ich bin nicht verheiratet!), und er zögerte. Er nahm sie dann aber doch. Ich muss das noch üben glaube ich, ich habe nicht daran gedacht, dass der Gruß hier anders geht… Das eine Zimmer ging erstmal gar nicht auf. In dem anderen (meinem) Zimmer war im Schlafzimmer die Klimaanlage kaputt. Ich würde mich später darum kümmern, dachte ich, nun würde ich aber versuchen zu schlafen. Ich stellte meinen Koffer und das Handgepäck hin und schaute mich erst einmal um. Ein Sofa mit einem Sessel, ein Couchtisch, ein Fernseher und ein Schreibtisch. Ich fand sogar einen LAN-Anschluss. Es gab viele Lichtschalter, von denen mehr als die Hälfte nicht ging. Einer war für den Ventilator an der Decke. Es gab sogar einen Esszimmertisch, auf denen zwei Flaschen mit nicht gerade vertrauenerweckender Flüssigkeit standen. Es sollte wohl Wasser sein. Davon würde ich die Finger lassen, obwohl mir nicht ganz klar war, was ich stattdessen trinken sollte. Die Küche war ein Witz. Eine große Ablagefläche mit einem Waschbecken darin, und einem Mülleimer. Sonst nichts. Ich würde hier nicht einmal Wasser abkochen können, geschweige denn ein Essen zubereiten. Das Badezimmer war winzig, die Dusche nur durch einen Duschvorhang erkennbar. Das Toilettenpapier habe ich erst am nächsten Tag gesucht – es war sogar welches da. Aber nur wenig. Ich würde daran denken müssen, neues zu kaufen. Das Schlafzimmer war recht groß, mit einem Doppelbett und einem großen Schrank (den -kaputten- Safe darin habe ich auch erst am nächsten Morgen entdeckt). Ich stellte den Ventilator an, die Klimaanlage funktionierte ja nicht, und legte mich ins Bett. Ich starrte zur Decke und fühlte mich … wie Indiana Jones. Ja. Indiana Jones. Die Lichter von draußen zeichneten ein Schattenspiel an die Decke, welches nur von dem Ventilator unterbrochen wurde. Ich war nicht müde, versuchte aber trotzdem zu schlafen. Um fünf Uhr morgens Ortszeit weckte mich nach wenig Schlaf ein Muezzin. Es scheint wohl doch eine große Gemeinde von Muslimen zu geben in Mumbai. Ich starrte weiter an die Decke und hörte ihm gebannt zu. Er hatte eine schöne Stimme, allerdings dachte ich ernst darüber nach, ob wirklich jemand freiwillig so früh aufsteht, um seinen Singsang über die Stadt zu verbreiten. Vielleicht kam die Stimme sogar von Band. Grübelnd über die ganzen Seltsamkeiten schlief ich wieder ein.

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