Bevor ich nach Indien flog, sagte jemand zu mir, ich weiß gar nicht mehr wer es war, „Du wirst Indien hassen. Aber wenn du eine Weile nicht mehr dort warst, nach einem halben oder ganzen Jahr, wirst du dich danach zurücksehnen“. Ich glaube, ich weiß was er meint. Indien ist seltsam, man fühlt sich ständig wegen der eigenen Hautfarbe beobachtet (Riksha-Fahrer halten an und wenden sogar, wenn sie meinen Kollegen und mich an der Straße sehen, auch bei einem ganz normalen Spaziergang, in der Hoffnung, uns irgendwohin kutschieren zu können), das Essen, die Luft, die kaputten Straßen und die wilden Hunde, der unmenschliche Verkehr, die Sprachen (die eine die man sowieso nicht versteht und die andere, die man auch nicht versteht weil sie seltsam ausgesprochen wird), all das sind Dinge, die man bestimmt vermissen wird, wenn man wieder zurückkommt ins „langweilige“ Deutschland. Indien und seine Bewohner haben ihren ganz eigenen Reiz. Sie sind freundlich und zuvorkommend, sagen immer ja (auch wenn sie nichts verstanden haben) und sind sehr neugierig. Auf der anderen Seite weiß man nicht, wie man ihnen begegnen soll. Gibt man nun die Hand? Macht man gar nichts? Ich habe mich bisher immer daran gehalten, wie sie mit mir umgehen, wenn sie mir die Hand geben wollen gebe ich sie ihnen auch, wenn nicht, dann halt nicht. Ich bin etwas unsicher, ob das okay ist, oder ob ich tatsächlich wie zum Gebet die Hände aneinander legen soll. Ich fürchte, das sieht albern aus. Mein Kollege sprach heute das aus, was ich mir schon länger durch den Kopf gehen ließ, „Ich frage mich, ob deutsche Firmen genauso zuvorkommend wären, wenn jemand aus einem fremden Land herkommt. Wir kriegen überall Hilfe und Unterstützung, wenn wir Probleme haben.“ Da hat er allerdings Recht. Jeder erkundigt sich, ob es uns gut geht, und wenn irgendwas fehlt, kümmern sich die Leute direkt selbst darum. Wir stehen dem Ganzen etwas hilflos gegenüber, und hoffen, dass wir bald selbständiger werden. Ab nächster Woche werden wir versuchen, mit einem Tuktuk (Riksha) zur Arbeit zu fahren. Wir sollen uns diese Woche den Weg dorthin einprägen, um gegebenenfalls dem Fahrer Anweisungen geben zu können, falls er in die falsche Richtung fährt.
Jul 21
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