1. Tag, spaeter

Kultur, Persönliches Kommentieren

Am späten Nachmittag holte uns unser Projektmanager ab, damit wir Wasser kaufen und unsere Eltern anrufen konnten. Später gingen wir essen. Der Projektmanager und seine Frau fragten, was wir gerne essen. Ich würde gerne indisches Essen probieren, ich hätte nur etwas gegen Kokos. Die beiden waren Vegetarier, also aß auch ich vegetarisch an dem Abend. Es ist immer besser, das Gleiche zu nehmen wie der Gastgeber, wenn man die Speisen nicht kennt, dachte ich jedenfalls, und ich wurde nicht enttäuscht. Die beiden bestellten „not so spicy“, es war aber trotzdem sehr scharf. Es gab zwei „Gänge“, wenn man das so nennen kann, die Kellner gaben das Essen von einer Platte direkt auf unsere Teller, so dass man auch aussuchen konnte, was man haben möchte und was lieber nicht. Es waren verschiedene angemachte Gemüsesorten wie Blumenkohl und Kartoffeln sowie Hüttenkäse und Pilze im ersten Gang. Dazu gab es ein grünes Chutney, die Frau nannte es so, ich weiß nicht was darin ist. Dieses Chutney war scharf, aber angenehm. Nur an manchen Stellen wurde wohl nicht so gut umgerührt, ich hätte Feuer spucken können. Der zweite Gang bestand aus verschiedenen Breisorten. Das Nationalgericht „Dal“, also Kichererbsenbrei, dann Hüttenkäse mit einer hellen Sauce (das fand ich besonders lecker), und Spinat mit kleinen Maiskölbchen gemischt. Diese Gerichte essen Inder mit den Händen, das heißt, es gibt flaches Brot dazu, „Naan“, das man mit der rechten Hand in Stücke reißt (so sehr ich mich bemühte, ich schaffte es nicht mit einer Hand, vielleicht lag es daran, dass ich Linkshänder bin?) und damit die Breisorten aufnimmt. Unsere Gastgeber sagten zwar, wir könnten auch gerne mit Gabel und Löffel essen, aber was sich so gehört, wird auch so gemacht. Sie kicherten zwar albern, weil ich mich nicht so geschickt anstellte, aber ich glaube ihnen gefiel, dass ich es wenigstens versuche. Meinem Kollegen gelang es besser, weil er diese Art zu essen von seinem Vater kannte, der eine Zeit in Afrika gelebt hatte. Es hat mir sehr gefallen. Das Dal war mir zu scharf, da musste ich leider nach ein paar Brotstücken passen (ich war froh, dass meine Gastgeberin auch sagte, dass es ihr etwas zu scharf war!), aber es war alles sehr lecker, und ich wurde mehr als satt. Ich wunderte mich etwas, wie viel Leute essen können, die so schlank sind wie die (meisten) Inder. Was mich auch wunderte war, dass meine Gastgeber zu dem Essen heißes Wasser tranken. Keinen Tee, sondern heißes Wasser. Ich fragte allerdings nicht danach. Nach dem Essen bekam jeder ein kleines Schälchen mit warmem Wasser, in dem ein Stück Limette schwamm. Ich ließ mir von der Gastgeberin zeigen, wie man es benutzt. Die Fingerspitzen werden in das Wasser gehalten, und mit den Fingerspitzen „zerbröselt“ man die Limette, um die Hände zu säubern. Der Geruch ist toll.
Beim Hinausgehen wurde uns Munquas (oder so ähnlich) angeboten, das so ähnlich aussieht wie Kaninchenfutter, also kleine Körner von verschiedenen Getreiden. Man nimmt einen Teelöffel davon in die Hand und knabbert es. Es schmeckt ein bisschen minzig, was man von Kaninchenfutter nicht erwarten würde. Es gab auch andere Sorten, Pfefferminzbonbons und dunkelgraue Kugeln mit puderzuckerartigem Mehl darauf. Diese Kugeln wurden mir empfohlen, also probierte ich auch diese. Die Konsistenz war in etwa die einer gekochten Erbse, vielleicht etwas härter. Der Geschmack war seltsam und ich verzog das Gesicht, was die Umstehenden zu herzlichem Gelächter verführte. Ich war etwas beschämt, ich hätte nicht zeigen sollen, dass ich nicht so begeistert bin von dieser Spezialität. Mein Projektmanager fragte mich sogar, ob ich es ausspucken möchte. Da hatte ich es längst heruntergeschluckt hatte und es eigentlich nicht so schlimm war wie mein Gesichtsausdruck offensichtlich vermuten ließ, erklärte ich ihm, dass es nur fremdartig geschmeckt hat. Ich hoffe, dass ich nicht einen schlechten Eindruck hinterlasse.

Kommentieren

WP Theme & Icons by N.Design Studio. Indified by IndiBlogger.in.Translated into German by David Sallge.
RSS-Feed zu den Einträgen RSS-Feed zu den Kommentaren Anmelden